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SEV-Präsident Giorgio Tuti zum Streik bei den TPG

«Ein Sieg der Basis»

An der Personalversammlung vom 4. Dezember um 3 Uhr 15, die das Abkommen der Gewerkschaften mit den TPG akzeptierte und den geplanten zweiten Streik absagte, nahm auch SEV-Präsident Giorgio Tuti teil. Wie schätzt er den Erfolg der SEV-Sektion TPG ein?

Personalversammlung im TPG-Depot Bachet am frühen Morgen des 4. Dezembers: SEV-Gewerkschaftssekretärin Valérie Solano hat soeben das mit den TPG erzielte Abkommen verlesen, und SEV-Präsident gratuliert den Kolleg/innen: "Wer nicht kämpft, hat schon verloren..." (Foto: Vivian Bologna)

«Es ist vor allem ein Sieg der Basis, der Sektion», sagt Giorgio Tuti, der bei den Verhandlungen mit den TPG vom 2./3. Dezember «auf Standby» als Rückfallebene bereitstand, während seitens SEV die Sektionsvertreter unterstützt von Gewerkschaftssekretärin Valérie Solano verhandelten.

Ein Erfolg des SEV-TPG und des ganzen SEV

«Es waren die Kolleg/innen vor Ort, die mobilisierten und beschlossen, gegen den Abbau bei den TPG zu kämpfen, für die Beibehaltung ihrer Stellen, für ihre Löhne und für die Errungenschaften der Pensionierten, aber auch für die Qualität des Service public», sagt Giorgio Tuti. Weiter betont er: «Diese Bewegung ist von Beginn an von unserer ganzen Gewerkschaft unterstützt worden, und zwar nicht nur symbolisch, denn wir haben Ressourcen zur Verfügung gestellt, um zu diesem Erfolg zu kommen.» Für Giorgio Tuti ist es denn auch ein Sieg des ganzen SEV: «Wir haben einmal mehr gezeigt, dass der SEV wenn nötig fähig ist, eine Kampflogik durchzuziehen.»

Legitim und vorbildlich

Eigentlich ist der SEV-Präsident ein Mann des Dialogs, «doch dieser Streik war nötig und legitim, weil es keinen Gesprächspartner mehr gab. Verhandlungen waren unmöglich geworden. Wir wären gern anders zum Ziel gekommen. Doch wir hatten keine andere Wahl.»
Für Giorgio Tuti ist der erfolgreiche Streik auch ein Sieg der ganzen Gewerkschaftsbewegung: «Die Mobilisierung hat sich gelohnt hat. Dieser Erfolg macht allen Service-public-Angestellten Hoffnung und ist ein Symbol für die bevorstehenden Kämpfe in der Schweiz und ganz Europa, wo Angriffe auf den Service public allmählich zur Gewohnheit werden.»
Die Art, wie die Sektion und Valérie Solano den Streik organisierten und leiteten, «ohne die Kontrolle zu verlieren», und wie sie auch die öV-Kund/innen und die Bevölkerung einbezogen, fand Giorgio Tuti vorbildlich. Ihm gegenüber haben sich viele Leute beeindruckt gezeigt und dem SEV Unterstützung zugesagt, unabhängig von der politischen Couleur. «Darunter waren sogar Arbeitgeber, die sahen, dass wir auch für den Service public und das Unternehmen kämpften.»

Wichtige Milizorganisation

Giorgio Tuti ist fest überzeugt: «Dies alles wäre nicht möglich gewesen ohne die ausgezeichnete Organisation der Basis und den hohen Organisationsgrad. Unsere Organisation basiert auf 153 Sektionen von Milizgewerkschafter/innen, die von unseren Gewerkschaftssekretär/innen unterstützt werden. Dieses herkömmliche Modell ist auch das Modell der Zukunft. Das vom SEV 2013 gestartete Sektionscoaching zielt darauf ab, alle Sektionen wieder zu mobilisieren, und ist somit absolut zentral.»
Tuti will mit dem Vorstand des SEV-TPG analysieren, was beim Streik funktioniert hat und was man noch besser machen könnte. Einbeziehen will er dabei auch andere Gewerkschaften mit dem Ziel, Angriffe auf den Service public künftig verstärkt auch gemeinsam zu bekämpfen. «Dafür ist der Genfer Streik ein Vorbild!»

Vivian Bologna/Fi

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