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RhB-Lokpersonal

Leitung stellt sich der Diskussion

RhB-Direktor Renato Fasciati referiert an der Personalversammlung in St. Moritz.

Seit mehr als 20 Jahren prangert das Lokpersonal der RhB den stetigen Unterbestand und die zunehmende Belastung an. Auch die Informationspolitik der verschiedenen Führungsstufen wird als mangelhaft kritisiert. Um diese Punkte zu besprechen, lud der SEV Geschäftsleitungsmitglieder an zwei Personalversammlungen.

Das Interesse war gross: 42 Teilnehmende in Schiers und 34 in St. Moritz nutzten die Gelegenheit zur Diskussion mit der Geschäftsleitung der RhB. Diese erkannte die Chance zum Dialog und war mit drei Mitgliedern präsent: RhB-Direktor Renato Fasciati kam mit Andreas Bass, Leiter HR und Stab, und Markus Barth, Leiter Produktion.

Investitionen auch ins Personal

Die drei Gäste blickten zurück auf das vergangene Geschäftsjahr und in die Zukunft. Derzeit investiert die RhB sehr stark in Rollmaterial und Infrastruktur. Die aktuelle Zinslage, der Geschäftsverlauf und die Aufträge der Leistungsbesteller Bund und Kanton erlauben dringend notwendige Modernisierungsschritte. Investiert wird aber auch ins Personal: Die RhB-GL will in den nächsten Jahren rund 110 neue Stellen schaffen, der grösste Teil davon im Bereich Produktion, um die Personalsituation langfristig zu entschärfen. Dies nahmen die Teilnehmenden mit Wohlwollen zur Kenntnis, blieben aber aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre skeptisch.

Mitarbeiterumfrage

Andreas Bass stellte die Erkenntnisse aus der aktuellen Mitarbeiterumfrage dar. Seitens Lokpersonal wurden über 40 Umfragebogen leer eingereicht. Die GL hält dies für eine verpasste Chance. Sie gab aber auch zu, dass im Rahmen zurückliegender Mitarbeiterumfragen zu wenig transparent über die Erkenntnisse und die daraus abgeleiteten Massnahmen kommuniziert wurde, und gelobte Besserung. Das Personal will eine echte, offene Kommunikation mit Nachdruck einfordern. An den Versammlungen wurde auch spürbar, dass die drei GL-Mitglieder mit den zum Teil tiefen Zustimmungswerten beim Lokpersonal nicht zufrieden sind und eine Erhöhung dieser Werte angehen wollen. Als positiv hoben sie hervor, dass sich auch das Lokpersonal mit einem hohen Wert zur RhB bekannte, wie das gesamte Personal. Mehrere Votanten empfahlen der GL, über die Salärpolitik nachzudenken, wenn sie diesen hohen Wert erhalten und die tiefen Werte in anderen Bereichen erhöhen will. Die GL versprach einen Branchenbenchmark als Vergleich.

Schutz gegen Ablenkungist legitim

Angesprochen wurde auch die Sichtbarkeit des Lokpersonals. Renato Fasciati wünschte ausdrücklich, dass die Rollos an den Rückwänden der Führerstände oben bleiben, um der Kundschaft einen Mehrwert zu bieten. Das Lokpersonal nimmt diesen Wunsch zur Kenntnis, stellt sich aber ebenso klar auf den Standpunkt, dass dies der jeweiligen Person im Führerstand selbst überlassen werden muss. Diese Einschätzung teilt das BAV, das dem SEV auf eine entsprechende Anfrage folgendes mitteilte: «Ist der Lokführer zu stark abgelenkt, darf er den Zug nicht weiterführen. Daraus kann gefolgert werden, dass je nach Situation und allenfalls auch nach Befindlichkeit des Lokführers subjektiv eine spezifische Ablenkung durch (filmende) Reisende als unangemessen wahrgenommen werden kann. In solchen Situationen muss der Lokführer das Recht haben, die ‹Störquelle› soweit zu eliminieren (z.B. Einsatz der Rollos), dass die sichere Zugführung nicht beeinträchtigt ist». Diesem Grundsatz gibt es aus Sicht des Lokpersonals nichts anzufügen.

Die Diskussionen wurden engagiert geführt. Viele Versammlungsteilnehmende hatten sich sehr gut vorbereitet. Sie sprachen auch Positives an, wie etwa den verbesserten Einbezug der Peko Technik.

SEV

Guter Weg

Markus Cadosch, Gewerkschaftssekretär SEV, zuständig für die Rhätische Bahn

Beide Versammlungen dauerten bedeutend länger, als ursprünglich geplant. Viele Votanten nutzten die Gelegenheit, den GL-Vertretern ihre Befindlichkeit in allem Anstand offen und direkt mitzuteilen. Es wurde sehr geschätzt, dass sich die drei Herren diesen Diskussionen stellten, ihre Standpunkte ebenso offen vertraten und sich auch genügend Zeit nahmen, die angesprochenen Punkte zu diskutieren. Sie setzten damit ein Zeichen, dass sie an einer offenen Kommunikation wirklich interessiert sind. Um das Vertrauen des Personals vollständig wiederzugewinnen und die Zufriedenheit nachhaltig zu erhöhen, soll der Weg der offenen Kommunikation weitergeführt werden.

Die angekündigten Investitionen ins Personal sind auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Mit Nachdruck anzugehen ist auch – nach Ablauf der momentan gültigen Lohnvereinbarung – das Thema Lohn.