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Die SBB und die SOB einigen sich auf eine Kooperation im Fernverkehr

So geht das: Kooperation statt Konkurrenz

Was der SEV fordert, wird umgesetzt: SBB und SOB finden sich beim Betrieb von Fernverkehrslinien zu einer Zusammenarbeit, anstatt sich zu bekämpfen.

Eitel Freude bei der Vertragsunterzeichnung: v.l. Heinrich Güttinger, Leiter Verkehr SOB, Jeannine Pilloud, Leiterin SBB P, Andreas Meyer CEO SBB, Thomas Küchler, CEO SOB.

«Giorgio Tuti eröffnete den Kongress mit einem Appell an SBB, SOB und BLS, zur Fernverkehrskonzession eine Einigung zu finden»: So stand es in der Nummer 09/2017 dieser Zeitung. Letzten Donnerstag traten nun die Spitzen von SBB und SOB, angeführt von Andreas Meyer, CEO SBB, und Thomas Küchler, CEO SOB, in einer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz strahlend vor die Journalist/innen und verkündeten, dass sie in der sportlichen Frist von vier Monaten eine mögliche Form der Kooperation gefunden haben.

Zwei neue SOB-Linien

Die Vereinbarung sieht vor, dass die Südostbahn (SOB) zwei neu zu schaffende Linien im Auftrag der SBB betreiben wird: einen Interregio (IR) von Zürich/Basel über die Gotthard-Panoramastrecke (Bergstrecke) nach Locarno und/ oder Lugano sowie einen IR Chur–Zürich–Bern. Für die beiden Linien wird die SOB voll verantwortlich sein, das Rollmaterial (analog heutiger Voralpenexpress) beschaffen und instandhalten, Lok- und Zugpersonal bereitstellen und die Linien vermarkten.

Vorteile für Reisende und EVU

Die Kooperation soll einen «Kundennutzen» bringen, indem neue Direktverbindungen mit komfortablem Rollmaterial geschaffen werden. In den Zügen, von denen «ein grosser Teil» durch Zugpersonal begleitet wird, wird es Platz für Fahrräder, Skis und anderes Gepäck haben.

Doch auch die Unternehmen profitieren, indem sie ihre Stärken ausspielen und Synergien nutzen können. Thomas Küchler erwähnte, dass das Verbinden des IR Bern–Zürich und des RE Chur–Zürich zu einem neuen IR Bern–Chur eine Zugskomposition spare!

Ein Quantensprung

Wie SBB-CEO Andreas Meyer vor den Medien offen sagte, geht es darum, «aus dem Netz noch mehr herauszuholen». Der Ausbau und Unterhalt des Netzes unter laufendem Betrieb sei dabei nur mit Kooperation und guten Mitarbeitenden möglich. Für SOB-CEO Küchler steht sein Unternehmen mit der Verdoppelung der Zugsproduktion vor einem «Quantensprung». Das Personal wird sich an neue Abläufe gewöhnen müssen, möglich ist auch, dass einzelne Stellen verschoben werden. Für einzelne Leistungen, etwa das Führen von Frühzügen ab Bern, will die SOB das Personal zumieten, da sie kein Depot in Bern zu eröffnen gedenkt. Trotzdem, so Küchler in einem Brief ans Personal, «werden wir vor allem beim Lok- und Zugpersonal wachsen» (plus geschätzte 90 Lokführer/innen und 35 Zugbegleiter/innen). Dazu kommen einzelne zusätzliche Stellen in andern Bereichen.

SEV ist erfreut

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV begrüsst die von der SBB und der Südostbahn gefundene Lösung. Diese kluge Zusammenarbeit verhindert eine Aufteilung des schweizerischen integrierten Eisenbahnverkehrs und ermöglicht trotzdem Verbesserungen im Betrieb, insbesondere auf der Gotthard-Bergstrecke, wo eine Begleitung der Züge durch die Südostbahn gewährleistet wird. Als Sozialpartner der SBB und der SOB wird der SEV die Interessen des Personals beider Unternehmen wahren und den Erhalt der bestehenden Arbeitsbedingungen des Personals überwachen.

Der SEV unterstreicht, dass die von den beiden Unternehmen gefundene Lösung eine Aufteilung der Fernverkehrskonzession verhindert. «Wir rechnen damit, dass auch zwischen der SBB und der BLS eine kluge Lösung gefunden wird», hält SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger fest. An der Medienkonferenz relativierte Meyer allerdings, die «Situation mit der BLS» sei schwierig.

Gute Nachricht für Zugpersonal

In ihrem Konzept sieht die SOB die Begleitung der Züge über den Gotthard vor. «Das ist eine sehr gute Nachricht für das Zugpersonal in Bezug auf seine Anstellung, aber insbesondere auch in Bezug auf die Sicherheit der Bahnreisenden. Die SBB hat die Begleitung der Züge auf der Bergstrecke mit Ausnahme von Stichkontrollen nach Eröffnung des Basistunnels abgeschafft», so SEV-Präsident Giorgio Tuti.

Der SEV begrüsst die Zusammenarbeit, wird aber die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen. Als Sozialpartner beider Unternehmungen wird der SEV die Interessen des Personals wahren, insbesondere wenn Personal von einer Unternehmung in die andere überführt werden sollte, und die Qualität der Arbeitsbedingungen sicherstellen.

pan.

Kommentare

  • Thomas Fischer

    Thomas Fischer 12/07/2017 19:58:44

    So schön wie hier dargestellt und auch von der SBB kommuniziert, ist es denn doch nicht.
    Es ist schon bemerkenswert: Die SBB betont immer wieder ihre Kundenorientierung, versäumt es aber trotz langer Vorlaufzeit und aufkommender Proteste ein kundengerechtes Angebot für die Gotthardbergstrecke bereitzustellen, wird daraufhin unter dem Applaus der Kunden (-verbände) von der kleinen, forschen SOB von dort vertrieben und trotzdem wird uns das nun auch noch als Erfolg verkauft. Die Frage muss erlaubt sein: Weshalb zeigt sich die SBB, im Wissen um die Liberalisierungsgelüste in Politik und BAV, ausserstande, selber mit einem pfiffigen Konzept zu überzeugen und weiterhin ihr angestammtes Netz selber zu bedienen?

    Fakt ist doch, dass die SBB trotz langer Vorlaufzeit und aufkommender Proteste kein den Kundenbedürfnissen entsprechendes Angebot bereitstellte.

  • Heinz Weissenberger  PV Chur-Buchs

    Heinz Weissenberger PV Chur-Buchs 13/07/2017 11:44:38

    Miteinander ist besser als nebeneinander.......gilt auch für uns Arbeitnehmer !
    Was mich aber auch besonders freut, die Reisequalität, besonders in der 1.Klasse, wird sich markant verbessern ! Dankeschön an die Aktiven des SEV, weiter so !

  • Eichenberger Markus

    Eichenberger Markus 14/07/2017 18:35:27

    Frage mich was daran gut sein soll.
    Der einzige Gewinner ist die SOB mit ihrer Gewinngarantie. Das zum Thema Winn Winn Situation.
    Mann kann ja auch alles schön Reden.

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