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Stimmung bei Elvetino-Belegschaft auf dem Tiefpunkt

Klage und Petition bei Elvetino

Ein Klima der Angst, unzumutbare Dienstpläne und nun auch noch das Debakel mit der Abschaffung der Minibars: Bei Elvetino ist die Stimmung mehr als düster.

Die Versammlung der bei SEV und Unia organisierten Elvetino-Belegschaft hatte wenig angenehme Themen zu behandeln. So entschieden die Anwesenden einstimmig, eine Klage vor Schiedsgericht wegen GAV-Verletzungen einzureichen, und zwar gleich in zwei Punkten.

Zwei Klagepunkte

Zum einen richtet sich die Klage gegen die Missachtung der Informationspflicht bei der Ankündigung, dass die Minibars Ende 2017 abgeschafft werden. Zum andern betrifft sie die Arbeitsverträge: In einem Protokoll zum GAV ist festgehalten, dass Elvetino neue Anstellungen grundsätzlich auf Voll- oder Teilzeitstellen vornimmt. Tatsächlich stellt Elvetino aber die Leute weitgehend mit Aushilfsverträgen an, und wenn ihnen dann richtige Anstellungen angeboten werden, müssen zusätzliche Voraussetzungen erfüllt sein, die anfänglich nicht galten.

Petition für faire Dienstpläne

Weiter hat die Belegschaft entschieden, dass sie die Unterschriftensammlung für eine Petition startet, in welcher es um die neuen Dienstpläne geht. Drei Forderungen stellt das Personal an die Elvetino-Führung:

  • Die Pausenzeiten innerhalb eines Dienstes dürfen nicht höher sein als 10% der Dienstschicht.
  • Pro Dienst dürfen nicht mehr als zwei Pausen eingeplant werden.
  • Die durchschnittliche Arbeitszeit der Dienste pro Dienstort und Bereich müssen 504 Minuten betragen.

Tatsächlich kommt es mit den aktuellen Dienstplänen zu Dienstschichten, also Anwesenheitszeiten, die teils über 13 Stunden liegen, wobei nur rund 10 Stunden als Arbeitszeit gelten. Im Gegenzug existieren sehr viele kurze Dienste mit Arbeitszeiten weit unter 8 Stunden, was zur Folge hat, dass auch bei einer Teilzeitanstellung bis zu 5 Tage pro Woche gearbeitet werden muss.

Kultur des Misstrauens

Die Situation bei Elvetino hatte auch die Aufmerksamkeit der Konsumentensendungen von Radio und Fernsehen SRF geweckt. In einem ausführlichen Beitrag der Sendung «Kassensturz» kamen mehrere Minibar- und Speisewagen Stewards zu Wort, die sich über die Behandlung am Arbeitsplatz beklagten. Es herrsche ein Klima des Misstrauens, ja der Angst: Statt auf den Zügen ein Coaching zu machen oder unterstützende Aufgaben zu übernehmen, würden die Sales Manager (also die direkten Vorgesetzten der Stewards) eine Fehlerkultur pflegen und gezielt danach suchen, ob die Stewards unsauber abrechnen oder andere Pflichten verletzten, wie etwa ungebügelte Hemden zu tragen oder die Krawatte wegzulassen..

Zusagen einfordern

Im Fernsehbeitrag kam auch Jeannine Pilloud zu Wort, die als Chefin Personenverkehr der SBB gleichzeitig Verwaltungsratspräsidentin der Elvetino AG ist. Sie sagte zu, sich um die Frage des Betriebsklimas zu kümmern. Was aber die beim SEV zuständige Gewerkschaftssekretärin besonders aufhorchen liess, war die Zusage von Jeannine Pilloud, dass beim Stilllegen der Minibars jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter ein Stellenangebot gemacht werde. «Das haben wir von Elvetino so klar nie gehört; wir werden Frau Pilloud beim Wort nehmen», betont Bieri.

Peter Moor

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