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Fernbusse

Domo Reisen: das BAV analysiert noch – das ist gut so

Ab dem Fahrplanwechsel am kommenden Wochenende wird Domo Reisen vorerst keine nationalen Fernbuslinien in Betrieb nehmen. Das BAV muss das Konzessionsgesuch des Unternehmens erst vertieft untersuchen. Ein Grund zum Feiern?

Die Entscheidung über das Konzessionsgesuch von Domo Reisen für die Linien St. Gallen–Zürich–Genf Flughafen, Zürich Flughafen–Basel–Lugano und Chur–Zürich–Sitten soll im ersten Trimester 2018 fallen. Das Gesuch sieht vor, die genannten Linien ein- bis zweimal pro Tag zu bedienen. Domo Reisen hofft darauf, den Betrieb am 11. März 2018 aufnehmen zu können. Daniela Lehmann, Koordinatorin Verkehrspolitik beim SEV, bewertet die Situation im Interview.

Daniela, du verfolgst dieses Dossier aufmerksam. Dürfen wir uns über die Ankündigung des BAV freuen?

Wir können zufrieden sein, dass Domo Reisen die Konzession noch nicht erhalten hat. Das BAV nimmt sich mehr Zeit, um die Situation seriös zu analysieren und sicherzustellen, dass Domo Reisen alle Bedingungen für die Konzessionserteilung erfüllt. Domo Reisen wird auch alle nötigen Halte garantieren müssen.

Viele Kantone und Städte sträuben sich gegen Haltestellen für Fernbusse …

Domo Reisen versichert, alle Garantien für die Lösung dieses Problems zu haben. Dem muss das BAV nachgehen. Wir haben 38 Städte und Gemeinden angeschrieben und nach ihrer Meinung bezüglich Fernbushaltestellen auf ihrem Gebiet gefragt. Zurückgekommen ist deutlicher Widerstand, hauptsächlich wegen der Infrastrukturkosten, welche die Fernbusse mit sich bringen würden, sowie dem erhöhten Verkehrsaufkommen in den Städten und an den bestehenden Haltestellen, die bereits ausgelastet sind. Auch die Konkurrenz zu den subventionierten Unternehmen ist vielen ein Dorn im Auge. Ferner sind die Behörden der Ansicht, dass die Richtlinien des Bundes nicht ausreichend sind für eine Konzessionserteilung.

Domo Reisen bestätigt, den Betrieb am 11. März aufnehmen zu können. Ist das realistisch?

Das ist schwer zu sagen. Das BAV hat seine Offenheit für andere Gesuche betont. Heisst das vielleicht, dass man sich nicht zufrieden gibt mit Domo Reisen? Für den SEV ist klar, dass nationale Fernbuslinien keinem Bedürfnis der Bevölkerung entsprechen. Nach unserem Wissen wurde keine einzige seriöse Marktanalyse erstellt, um festzustellen, ob ein Bedürfnis besteht.

Was spricht eigentlich gegen Fernbusse? Wenn jemand seine Reisezeit verdoppeln will, ist das doch – wie die Befürworter der freien Marktwirtschaft betonen – sein gutes Recht?

Man kann die ganze Sache schon mit dieser Optik betrachten. Dumm nur, dass wir dafür die falschen Spielregeln haben. Ich mache ein Beispiel: Der Schienenfernverkehr ist ein integraler Bestandteil des Service public, da er zur Querfinanzierung von unrentablen Linien beiträgt. Fernbusunternehmen haben geringere Ausgaben, weil sie sich nicht an den Infrastrukturkosten beteiligen und unklare Anstellungsbedingungen haben. Dabei ist die Frage: Zu welcher Branche gehören Fernbusse? Für den SEV ist es eindeutig die Fernverkehrsbranche, sprich der GAV SBB, der die branchenüblichen Anstellungsbedingungen vorgibt. Der Analyse des BAV stehen wir kritisch gegenüber, da die Berechnung der branchenüblichen Löhne im Dossier Crossrail wenig transparent war. Crossrail wollte Lokpersonal zu einem Monatslohn von 3500 Fr. einstellen. Aufgrund dieser Erfahrung befürchten wir, dass das Personal den Preis für die Billigbusse bezahlen wird.

Vivian Bologna/kt

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