TEST

Mobbing ist nicht gleich Mobbing

Über Mobbing wird viel geschrieben, aber wenig gelesen. Ein Modewort, oder was steckt dahinter? Meist sind es ungelöste Konflikte, verhärtete Fronten, vermeintlicher oder tatsächlicher Machtmissbrauch. Haben Sie selbst den Verdacht, gemobbt zu werden? Wenn ja, dann verschaffen Sie sich Klarheit durch einen Test.

Immer wieder erhält das Rechtsschutzteam SEV Anfragen betreffend Mobbing und macht dabei oft die Erfahrung, dass unter Mobbing jeder/jede das versteht, was für sie/ihn in die Situation passt. Nur weil man vom Vorgesetzten gerügt wird, muss dies nicht Mobbing sein. Darum hier eine praktische Checkliste nach Heinz Leymann:

Checkliste: Werde ich gemobbt?

Kreuzen Sie die Mobbing-Kriterien an, die in Ihrem Fall erfüllt sind:

Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen:

  • Der/die Vorgesetzte schränkt die Möglichkeit ein, sich zu äussern.
  • Man wird ständig unterbrochen.
  • Kolleg/innen schränken die Möglichkeit ein, sich zu äussern.
  • Anschreien oder lautes Schimpfen.
  • Ständige Kritik an der Arbeit.
  • Ständige Kritik am Privatleben.
  • Telefonterror.
  • Mündliche Drohungen.
  • Schriftliche Drohungen.
  • Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten.
  • Kontaktverweigerung durch Andeutungen, ohne dass man etwas direkt anspricht.

Angriffe auf die sozialen Beziehungen:

  • Man spricht nicht mehr mit dem/der Betroffenen.
  • Man lässt sich nicht ansprechen.
  • Versetzung in einen Raum weitab von den Kolleg/innen.
  • Den Arbeitskolleg/innen wird verboten, den/die Betroffene anzusprechen.
  • Man wird «wie Luft» behandelt.

Angriffe auf das soziale Ansehen

  • Hinter dem Rücken der/des Betroffenen wird schlecht über sie/ihn gesprochen.
  • Man verbreitet Gerüchte.
  • Man macht jemanden lächerlich.
  • Man verdächtigt jemanden, psychisch krank zu sein.
  • Man will jemanden zu einer psychiatrischen Untersuchung zwingen.
  • Man macht sich über eine Behinderung lustig.
  • Man imitiert den Gang, die Stimme oder Gesten, um jemanden lächerlich zu machen.
  • Man greift die politische oder religiöse Einstellung an.
  • Man macht sich über das Privatleben lustig.
  • Man macht sich über die Nationalität lustig.
  • Man zwingt jemanden, Arbeiten auszuführen, die das Selbstbewusstsein verletzen.
  • Man beurteilt den Arbeitseinsatz in falscher und kränkender Weise.
  • Man stellt die Entscheidungen des/der Betroffenen in Frage.
  • Man ruft ihm/ihr obszöne Schimpfworte oder andere entwürdigende Ausdrücke nach.
  • Sexuelle Annäherungen oder verbale sexuelle Angebote.

Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation

  • Man weist dem/der Betroffenen keine Arbeitsaufgaben zu.
  • Man nimmt ihm/ihr jede Beschäftigung am Arbeitsplatz, so dass er/sie sich nicht einmal selbst Aufgaben ausdenken kann.
  • Man gibt ihm/ihr sinnlose Aufgaben.
  • Man gibt ihm/ihr Aufgaben weit unter seinem/ihrem eigentlichen Können.
  • Man gibt ihm/ihr ständig neue Aufgaben.
  • Man gibt ihm/ihr „«kränkende» Arbeitsaufgaben.
  • Man gibt dem/der Betroffenen Arbeitsaufgaben, die seine/ihre Qualifikation übersteigen, um ihn/sie zu diskriminieren.

Angriffe auf die Gesundheit

  • Zwang zu gesundheitsschädigenden Arbeiten.
  • Androhung körperlicher Gewalt.
  • Anwendung leichter Gewalt, zum Beispiel um jemandem einen Denkzettel zu verpassen.
  • Körperliche Misshandlung.
  • Man verursacht Kosten für den/die Betroffene, um ihm/ihr zu schaden.
  • Man richtet physischen Schaden zuhause oder am Arbeitsplatz des/der Betroffenen an.
  • Sexuelle Handgreiflichkeiten.

Werde ich gemobbt? Auflösung zur Checkliste

Mobbing ist keine Einzeltat, sondern ein immer wieder auftretendes Verhaltensmuster. Es ist charakterisiert durch ungleiche Machtverhältnisse und ist dann gegeben, wenn eine oder mehrere der 45 beschriebenen Handlungen über ein halbes Jahr oder länger mindestens einmal pro Woche vorkommen. Um festzustellen, ob es sich tatsächlich um Mobbing handelt, sind eine neutrale Gesamtbetrachtung und eine objektivierte Sichtweise im Gesamtzusammenhang notwendig.

Ein paar Tipps:

  • Konflikte am Arbeitsplatz rechtzeitig angehen, Missverständnisse sofort klären.
  • Physische Angriffe, insbesondere sexueller Art, sind strafbar.
  • Mobbing-Tagebuch führen, und zwar mit Bild, Datum, Uhrzeit, Ort, Zeugen und Anwesenden bei Mobbing-Vorfällen.
  • Nicht zurückmobben, keine Gegenpartei aufstellen, dies erschwert die Konfliktbewältigung.
  • Lassen Sie sich nicht in die Ecke drängen, sondern ergreifen Sie die Initiative.
  • Beschweren Sie sich an der richtigen Stelle (Vorgesetzter oder Arbeitgeber).
  • Bezeichnen Sie nicht gleich jeden als Mobber, denn dies ist üble Nachrede. Von Mobbing wird erst gesprochen, wenn Mobbing-Handlungen regelmässig und über mehrere Monate hinweg statt gefunden haben.

Rechtsschutzteam SEV

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