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Swiss: Ein Abbau ist jetzt inakzeptabel

Die Swiss riskiert mit einem Personalabbau, dass ihr beim Aufschwung Fachpersonal fehlt, wie z.B. lizenzierte Mechaniker. Foto: ©Swiss.

Die Swiss teilte gestern in ihrer Medienmitteilung zur ersten Quartalsbilanz 2021 mit, dass sie Abbaumassnahmen prüfe. Für SEV-GATA, die Luftfahrtabteilung der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, wäre ein Abbau zum jetzigen Zeitpunkt unverständlich und schädlich.

«Die Swiss muss weiter am bisherigen Kurs festhalten, ihre Strukturen möglichst beizubehalten, um bereit zu sein, wenn sich der Luftverkehr wieder normalisiert», hält Philipp Hadorn, Präsident von SEV-GATA, zu den in Aussicht gestellten weiteren Abbauplänen des neuen Swiss-CEO Dieter Vranckx fest. «Auch dank der Impfkampagne und digitaler Nachweise, dass die Passagiere ‘corona-clean’ sind, stehen die Chancen gut, dass der Bundesrat bald einmal die Reisebeschränkungen lockern und stabilisieren kann, wie dies SEV-GATA zusammen mit der breiten Allianz ‘Back-in-the-Air’ fordert. Wobei die Gesundheit für uns prioritär bleibt.»

Sicher ist, dass es gerade in der Schweiz einen Flugnachholbedarf gibt: Neben Familien, denen es wegen der Coronakrise dramatisch schlecht geht, gibt es auch solche, die ihr Ferienkässeli prall gefüllt haben, weil sie nicht mehr verreisen konnten und geplante Flüge hinausschieben mussten. Deshalb wurden auch Bezüge von Dienstaltersgeschenken aufgeschoben. Folglich sind die Perspektiven der Swiss mittelfristig nicht schlecht, sofern sie dann diese Chance packen kann und nicht anderen das Feld überlässt.

Personalmangel beim Aufschwung wäre fatal

«Die Swiss riskiert mit einem Personalabbau, dass ihr beim Aufschwung Fachpersonal fehlt wie zum Beispiel Flugzeugmechaniker, die sechs Jahre Ausbildung benötigen, bis sie die nötigen Lizenzen haben», erklärt Philipp Hadorn. «Wenn die Swiss jetzt Personal in die Wüste schickt, werden ihr beim Wiederaufschwung Fachkräfte und Knowhow fehlen. Das wäre dann ein Marktnachteil. Darum müsste auch die Schweizerische Luftfahrtstiftung, die über die Einhaltung der standortpolitischen und operativen Auflagen der Bundesbürgschaft an die Swiss zu wachen hat, vor einem solchen Abbau warnen.»

Aus gewerkschaftlicher Sicht steht jedoch der Joberhalt für die Mitarbeitenden im Vordergrund. «Ihre Arbeit ist zum Teil so spezialisiert, dass es für sie nicht so einfach wäre, auf dem aktuellen Arbeitsmarkt rasch etwas zu finden. Darum hat die Swiss für sie auch eine soziale Verantwortung», unterstreicht Philipp Hadorn.

Investition in die Zukunft

Die Swiss macht geltend, dass sie nicht beliebig lange weiterhin Defizite schreiben kann. Andererseits schrieb sie gestern selbst, dass ihr Bankkredit noch nicht mal zur Hälfte aufgebraucht ist. «Darum gibt es keinen dringenden Handlungsbedarf, erst recht nicht jetzt, wo das Ende des Tunnels allmählich in Sicht ist», stellt Philipp Hadorn klar. «Diese Defizite für den Strukturerhalt sind eine Investition in die Zukunft. Diese Strategie wurde auch vom Amtsvorgänger von Dieter Vranckx mitgetragen und war ganz klar eine Absicht der Bundesbürgschaft: Nicht nur, um die weltweite Luftanbindung der Schweiz weiter zu garantieren, sondern auch aus volkswirtschaftlichen Gründen, wegen all der Jobs, die von der nationalen Airline abhängen.»

Zudem ist es für den Staat ein Nullsummenspiel, ob er Arbeitslose unterstützen muss oder weiterhin Kurzarbeitsentschädigungen bezahlt, mit dem Vorteil des Strukturerhalts. «Aber es wäre ein asoziales Verhalten der Swiss, wenn sie jetzt in einer KMU-Logik noch rasch Stellen abbauen wollte, solange dies noch über die Kurzarbeit möglich ist», mahnt Philipp Hadorn. «Übrigens stehen die Chancen gut, dass die Kurzarbeit nochmals über den September hinaus verlängert wird, wie auch von SEV-GATA gefordert … Kurz: Die Swiss würde mit einem übereilten Abbau viel Goodwill verspielen, vor allem bei ihrem Personal. Stattdessen sollte sie besser den Bund ersuchen, die Bürgschaft wenn nötig teilweise in einen A-fonds-perdu-Beitrag umzuwandeln.»

Weitere Auskünfte:

Philipp Hadorn, Gewerkschaftssekretär SEV und Präsident SEV-GATA,
079 600 96 70

Wer sind wir?

SEV-GATA (Groundstaff Aviation Technics and Administration), die Gewerkschaft des Bodenpersonals der Luftfahrt, setzt sich ein für Mitglieder aus den verschiedensten Betrieben wie beispielsweise Swiss Int. Air Lines Ltd., Swissport, SBS, Engie, ISS usw. SEV-GATA ist Teil der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, der grössten Schweizer Gewerkschaft für Arbeitnehmende im Verkehrs- und Transportgewerbe.

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