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Protestversammlung der Zugchefs S-Bahn

Aktionskomitee koordiniert Widerstand

95 Zugchefs S-Bahn (ZuS) haben am Montagabend im Volkshaus Zürich ein Aktionskomitee gebildet, die Resolution „Zugchefs S-Bahn müssen bleiben“ verabschiedet und weitere Massnahmen im Kampf gegen das unsinnige neue Sicherheitskonzept des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) beschlossen.

Erste Priorität hat im Moment die vom SEV und dem Unterverband des Zugpersonals (ZPV) lancierte Petition mit der Forderung, dass der ZVV das neue Sicherheitskonzept nochmals überdenken muss und das bestehende Konzept der Randstundenbegleitung ab 21 Uhr bei­behalten muss, wo nötig kombiniert mit einem neuen Konzept. Konkret müssten die ZuS auf den Nachtzügen an den Wochenenden stärker als bisher durch Sicherheitsleute unterstützt werden – SBB und ZVV haben diesbezüglich bisher ihre Hausaufgaben nicht gemacht!

Deswegen aber gleich die ZuS abschaffen, käme dem sprichwörtlichen Ausschütten des Kindes mit dem Bade gleich, denn die ZuS haben sich von Montag bis Donnerstag bestens bewährt. Auch an den Wochenenden ist die Bedrohung durch alkoholisierte, enthemmte Leute im Ausgang längst nicht so dramatisch, dass die ZuS auf diesen Zügen ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen könnten, wie dies der ZVV seit einiger Zeit darzustellen versucht.

Gewerkschaftsbund steht hinter ZuS

Der SGB liess der ZuS-Versammlung vom 20. September in Zürich folgende Solidaritätsbotschaft zukommen:

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) drückt Euch, hier versammelt, um für Eure Arbeitsplätze und einen qualitativ hochstehenden Öffentlichen Verkehr zu kämpfen, hiermit seine volle Solidarität aus. Er hofft mit Euch, dass Euer Kampf gegen den sachlich falschen und arroganten Beschluss Erfolg hat. Es kann doch nicht sein, dass man ein geradezu vorbildliches Zugsbegleitungskonzept mit einem Federstrich abschaffen und damit Hunderte von – zum Teil extra dafür ausgebildeten – Zugsbegleiter/innen stellenlos machen will. Der SGB wird Euch auch in den künftigen Etappen Eures Kampfes unterstützen, falls diese nötig werden.

Mit solidarischen Grüssen:
Schweizerischer Gewerkschaftsbund
Paul Rechsteiner, Präsident

Nachtzuschlag überdenken

Die ZuS wiesen an der Versammlung darauf hin, dass das grösste Konfliktpotenzial vom Nachtzuschlag ausgeht. Wer heute zum Beispiel mit einem Nachtzug der S-Bahn von Elgg nach Aarau fährt, muss zusätzlich zum Billett sogar drei Zuschläge bezahlen – je einen in jedem durchquerten Verkehrsverbund (Thurbo, ZVV, Aargauer Verkehrsverbund). Die ZuS, die die Zuschläge eintreiben “dürfen“, hatten in der Vergangenheit u.a. vorgeschlagen, diese in die Billettpreise zu integrieren, wie dies in Basel schon der Fall ist. Doch der ZVV war bisher auf diesem Ohr taub.

Mit den ZuS wird der Kundendienst abgeschafft!

ZuS und SEV wollen die Öffentlichkeit und die politisch Verantwortlichen darauf aufmerk­sam machen, dass der ZVV mit dem Schlagwort „mehr Sicherheit“ über die Tatsache hinwegzutäu-schen versucht, dass mit der Abschaffung der ZuS der Kundendienst am Abend gestrichen würde: Fahrplanaus­künfte, Orientierungshilfen und Lenkung auf andere S-Bahnen (auch für Tourist/innen), Hilfe beim Ein- und Aussteigen für Behinderte und Mütter mit Kinderwa­gen, Beseitigung von Abfall und andern Sauereien usw. Der geplante Sicherheitsdienst kann schon deshalb keinen vollkommenen Ersatz bieten für den heutigen Kundendienst, weil er nicht mehr auf allen Zügen präsent wäre, denn die systematische Zugbegleitung soll eben abgeschafft werden. Dank dieser wissen aber heute alle Bahnkund/innen, dass sie nicht in einem men­schenleeren Zug heimfahren müssen – und dass stets mit einer Billettkontrolle zu rechnen ist. Daher ist auch die Schwarzfahrerquote seit der ZuS-Einführung vor sieben Jahren gesunken.

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