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Zentralisation der Betriebszentralen der SBB

Gewerkschaft SEV lehnt Zentralisierung ab

Seit Jahren plant die SBB eine weit gehende Zentralisierung der Betriebsführung des Zugverkehrs. Der heutige Entscheid des Verwaltungsrates SBB, diese in fünf Zentren (Zürich, Olten, Lausanne, Bellinzona und Spiez BLS) zusammenzulegen, unterscheidet sich nur sehr wenig vom früheren Projekt RCC, das eine einzige Zentrale in Olten und drei Subzentralen vorsah. Für den SEV wurden vor allem die Fragen, welche das Personal betreffen, nicht genügend berücksichtigt. Er bedauert, dass die SBB-Führung seinen Stellungnahmen überhaupt keine Rechnung getragen hat.

Eine solch extreme Zentralisierung der Betriebsführung, wie sie von SBB Infrastruktur vorgesehen ist, führt zu einem grossen Verlust an Erfahrung und Ortskenntnissen. Dies angesichts der Tatsache, dass eine beträchtliche Zahl von Mitarbeitenden sich nicht in eine Zentrale umteilen lassen werden, die weit von ihrem aktuellen Arbeits- oder Wohnort entfernt sein wird. Es wäre besser, die Kompetenzen in die Regionen zu geben, als Hunderte von Mitarbeitenden in die Zentren zu verschieben. Die gleiche Feststellung konnte bereits aufgrund einer SBB-internen Mitarbeiterumfrage im Jahr 2003 gemacht werden.

Mit diesem Entscheid wird sich die SBB praktisch vollständig aus der Fläche zurückziehen, was die Betriebsführung angeht. Es verbleiben lediglich noch Verkaufsstellen. Dieser Rückzug geht einmal mehr zulasten der Randregionen, die bereits früher stark von Abbaumassnahmen der SBB betroffen waren.

Die Strompanne vom Juni 2005 ist noch bestens in Erinnerung, ebenso wie zahlreiche weitere Störungen der Jahre 2005 und 2006. Diese schweren Beeinträchtigungen bei elektrischen und Sicherungsanlagen haben gezeigt, dass das Risiko eines netzweiten Zusammenbruchs tatsächlich besteht. Eine weitgehende Zentralisierung der Betriebsführung steigert dieses Risiko.

Das Weiterführen von dezentralisierten Arbeitsplätzen würde es erlauben, die hohe Attraktivität der betroffenen Berufe aufrechtzuerhalten. Die Aufgaben der Betriebsführung sind sehr spezifisch und verlangen umfassende Kenntnisse und viel Erfahrung. Der SEV ist der Meinung, dass die ungefähr 15 Fernsteuerzentren, die am Ende der Betriebs-Automatisation bestehen werden, die zukünftigen Betriebszentralen bilden sollten. Diese Lösung würde sowohl den Bedürfnissen des Personals, der SBB-Präsenz in der Fläche wie auch den Ansprüchen bezüglich Qualität und Sicherheit entgegenkommen.

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