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Lago Maggiore

SNL nimmt Entlassungen zurück

Ob die Schiffe auf dem Schweizer Teil des Lago Maggiore fahren, ist noch unklar. Die Verhandlungen über die Zukunft des Konsortiums sind noch in Gang. Erreicht wurde jedoch eine Vereinbarung zwischen Gewerkschaften und SNL (Società Navigazione del Lago di Lugano), die festhält, dass die im Dezember entlassenen Mitarbeiter wieder eingestellt werden und die Kündigung des GAV von der SNL zurückgenommen wird.

Wo sind wir stehen geblieben? Wir standen bei der Kündigung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Lago Maggiore im Dezember, der Kündigung des GAV, die den Gewerkschaften im Verlauf dieses Monats übergeben wurde und in laufenden Verhandlungen über die Weiterführung des Konsortiums, die nun bis Ende März verlängert wurden. In einer Situation tiefer Unsicherheit wegen der Verhandlungen über die Zukunft des Konsortiums und entsprechend über die Zukunft der Schifffahrt auf dem Schweizer Teil des Lago Maggiore hat das Unternehmen einen Frontalangriff auf die Angestellten losgetreten.

Diese Attacke wurde von den Gewerkschaften sofort öffentlich gemacht. Die Veröffentlichung der Beschäftigungssituation wurde von verschiedenen politischen Gruppen aufgegriffen, die sich, wie üblich, aufgespalten haben: Auf der einen Seite jene, die sich klar auf die Seite der Belegschaft gestellt haben, auf der andern Seite die Unterstützer der Arbeitgeber.

Der Umstand, dass das Personal an Weihnachten entlassen und der GAV aufgekündigt, gleichzeitig aber grosse finanzielle Unterstützung von der Öffentlichkeit gefordert wurde, ist vielen in die Nase gestochen. Allen voran dem Regierungsrat, der richtigerweise eine Vereinbarung über bestimmte Punkte der Zusammenarbeit von Kanton und SNL verlangt, bevor er öffentliche Mittel spricht. Zu diesen Punkten gehört auch die Beziehung zwischen dem Arbeitgeber, dessen Personal und den Sozialpartnern.

Verhandlungen und Lösungen fürs Personal in kurzer Zeit

In den letzten Wochen haben die Gewerkschaften der Regierung die Minimalforderungen zum Schutz des Personals mitgeteilt. Das sind: Die Wiederanstellung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den gleichen Löhnen und der Rückzug der Kündigung des GAV auf Ende dieses Jahres.

Unter diesem politischen Druck forderte die SNL die Gewerkschaften zu Verhandlungen auf. Wie es unsere Aufgabe ist, haben wir uns den Verhandlungen nicht verweigert, die dann praktisch zwei Tage ohne Unterbruch dauerten. Schliesslich, nach intensiven und schwierigen Gesprächen, kam es zum so sehr gewünschten Abschluss, der die Wiederanstellung aller Beschäftigten zu gleichen Löhnen wie vor der Entlassung und den Rückzug der GAV-Kündigung mit Verlängerung bis zum 31. Dezember 2022 umfasst. Das Ganze hängt allerdings vom guten Ausgang der Verhandlungen über das Konsortium und von der Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen SNL und Regierung ab.

Die Freude der Belegschaft nach langem Bangen

Freude, viel Freude über den erreichten Abschluss. Aber wie viel Bangen, viel zu viel. Sie sind die Verbliebenen des Streiks von 2017. Sie sind sich gewohnt zu kämpfen und zusammenzuhalten. Sie haben es auch dieses Mal getan, im ununterbrochenen Dialog mit dem SEV in zahlreichen Videokonferenzen. In dieser Phase waren die Anführer mit Fragen der Arbeitslosigkeit, mit Papierkram und Unsicherheit beschäftigt. Und zudem mit jenen, die nicht auf ihrer Seite standen in den Medien, aber auch im alltäglichen Leben.

Seit Jahren wünschen sie sich Sicherheit, wie alle Arbeitnehmer. Sie wollen einfach arbeiten und sich nützlich machen. Von zu Hause aus sahen sie die Kollegen vom Luganersee auf ihrem See fahren.

Aber sie sind nicht verzweifelt und wissen genau, was es heisst zu kämpfen und zusammenzuhalten. Sie haben viel Würde. Auch dieses Mal wurden sie von der Tessiner Regierung angehört und konnten sich erklären. Immer mit der gleichen Würde. So lange das so ist, haben diese Kollegen nicht verloren. Und vor allem zeigen sie ein ums andere Mal, dass man etwas erreichen kann, so lange alle zusammenstehen.

Angelo Stroppini
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Update: Nach monatelangen Verhandlungen einigten sich die Parteien am Nachmittag des Mittwoch, 31. März, auf eine Verlängerung des Konsortiums auf der Schweizer Seite des Lago Maggiore um zwei Jahre. Wie bereits erwähnt, wurden die Schiffsleute alle zu den gleichen Gehaltsbedingungen wieder eingestellt, und der GAV wurde bis zum 31.12.2022 verlängert. Ein Erfolg für den SEV.

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