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SEV-Info

Coronavirus: Deine Rechte, unsere Forderungen

Das Coronavirus löst bei vielen Arbeitnehmenden grosse Unsicherheiten und Sorgen aus – nicht nur um die eigene Gesundheit und die der Nächsten, sondern auch um die Situation am Arbeitsplatz.

Der Bundesrat hat heute Nachmittag beschlossen, dass an den Schulen bis am 4. April vor Ort kein Unterricht stattfinden darf. Das stellt die Arbeitnehmenden vor neue Herausforderungen. Der SEV fordert, dass die Unternehmen mit den Mitarbeitenden Lösungen für diese besondere Situation finden. Zudem muss die Lohnfortzahlung auch in diesem Fall gesichert sein. Sollten Arbeitgeber dazu nicht mehr in der Lage sein, müssen Bund und Kantone unkompliziert unterstützen.

Wir erwarten, dass die Unternehmen den Gesundheitsschutz und die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden ernst nehmen und regelmässig informieren, geeignete Massnahmen treffen und wo nötig Schutzmaterial zur Verfügung stellen. 

Unsere Aufgabe und Forderung als Gewerkschaft ist, dass die Gesundheit des Personals geschützt, die Arbeitsplätze gesichert und die Rechte der Arbeitnehmenden gewahrt werden.

Es ist wichtig, sich jetzt auf das Wesentliche zu konzentrieren. Aus dieser Krise kommen wir nur gemeinsam und wenn wir uns gegenseitig unterstützen. Und das soll auch danach gelten. Gemeinsam und nicht alleine sind wir stark.

Giorgio Tuti, Präsident SEV

Deine Rechte als Arbeitnehmer/in allgemein

Krankes Kind oder kranke Angehörige zuhause
Kita- oder Schulschliessung
Anderer Arbeitsort 
Homeoffice
Urlaubsverbot
Zwangsurlaub
Ältere Mitarbeitende

Krankes Kind oder kranke Angehörige zuhause

Eltern dürfen gegen Vorlage eines Arztzeugnisses drei Tage für die Betreuung kranker Kinder freinehmen, in der öffentlichen Verwaltung zum Teil auch länger. Wenn die Frage der Lohnfortzahlung für diesen Fall nicht im Arbeitsvertrag geregelt ist, wird die Pflege kranker Kinder behandelt wie eine Arbeitsverhinderung nach OR 324a, also eine Verhinderung an der Arbeitsleistung ohne eigenes Verschulden. Der Arbeitgeber ist also verpflichtet, den Lohn entsprechend zu zahlen.
Unabhängig von der Bezahlung können Eltern für die Pflege eines Kindes auch länger zuhause bleiben, wenn es keine andere Lösung gibt. Dann erhalten sie in der Regel keinen Lohn. Personen, welche kranke Angehörige zuhause betreuen, unterliegen ebenfalls einer Fürsorgepflicht.
Bei einer Pandemie mit hoher Ansteckungsgefahr ist es allerdings nicht sinnvoll, nach der Pflege einer erkrankten Person nach drei Tagen wieder zur Arbeit zu gehen und andere Menschen anzustecken. Der SEV fordert daher, dass die Lohnfortzahlung in diesem Fall über die 3-Tage-Frist hinaus verlängert wird, sofern das Kind am Corona-Virus erkrankt ist, weil die Eltern eventuell 48h Stunden symptomfrei sein müssen, bevor sie wieder zur Arbeit gehen.

Kita- oder Schulschliessung

Dass Eltern für ihre Kinder sorgen, ist eine gesetzliche Pflicht (Art. 276 ZGB). Sind Arbeitnehmende deswegen unverschuldet an der Arbeitsleistung verhindert, muss ihnen der Arbeitgeber während eines beschränkten Zeitraumes den Lohn gestützt auf Art. 324a OR weiter entrichten. Die Eltern haben sich allerdings zu bemühen, weitere Absenzen bei geeigneter Organisation zu verhindern. Da es im Falle einer Pandemie eher fraglich ist, inwieweit die Obhut von Grosseltern oder andere kollektive Betreuungsformen (zum Beispiel gemeinsame Betreuung mit anderen Eltern) sinnvoll sind, sollten Arbeitgeber grosse Kulanz zeigen.

Und wenn Arbeitnehmende kurzfristig aufgefordert werden, an einem anderen Ort zu arbeiten?

Ist der Arbeitsort im Arbeitsvertrag festgelegt, kann der Arbeitgeber nicht einseitig einen neuen Arbeitsort bestimmen. Unter besonderen Umständen wie einer Pandemie und für eine begrenzte Zeit kann der Arbeitgeber aber erwarten, dass die Arbeitnehmenden flexibel sind. Wenn dadurch zusätzliche Wegzeit anfällt, gilt sie als Arbeitszeit. Auch sonstige damit anfallende Auslagen sind zu vergüten.

Homeoffice

Überall, wo der Arbeitgeber Homeoffice ermöglicht, ist dies eine Alternative zur Fahrt an den Arbeitsplatz. Sie muss aber im Einzelfall abgesprochen werden, je nach Pflichtenheft. Dies gilt besonders dann, wenn seitens Arbeitgeber keine klaren Direktiven vorliegen.

Urlaubsverbot

Die Verschiebung von bereits vereinbarten Ferien ist nur aus schwerwiegenden Gründen gerechtfertigt - aus dringlichen und unvorhergesehenen betrieblichen Bedürfnissen. Die Verschiebung muss dem Arbeitnehmer oder der Arbeitnehmerin innert kürzester Frist kommuniziert werden. Und der Arbeitgeber muss der Arbeitnehmerin bzw. dem Arbeitnehmer den entstandenen Schaden ersetzen, d.h. den bereits gebuchten Urlaub bezahlen.

Zwangsurlaub

Wenn der Arbeitgeber die Arbeitnehmenden heimschickt, befindet er sich im sogenannten Annahmeverzug und muss den Lohn trotzdem zahlen. Er kann auch keinen Ferienbezug anordnen, er kann ihn nur vereinbaren.

Ältere Mitarbeitende

Der Arbeitgeber hat älteren Mitarbeiter/innen gegenüber eine erhöhte Fürsorgepflicht. Gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind ältere Menschen in der aktuellen Situation generell stärker gefährdet. Der Arbeitgeber muss deshalb den Gesundheitsschutz seines älteren Personals maximal gewährleisten.

Antworten auf arbeitszeitrechtliche Fragen findest du hier

Unsere Forderungen an die Unternehmen

SBB

Der SEV hat vor zwei Tagen bei der SBB eine Reihe von Forderungen aus der Mitgliedschaft eingereicht, wie unter anderem, dass in der Kundenbegleitung nur noch fahrdienstliche Aufgaben gemacht werden müssen, aber keine Kontrollen, keine Stichkontrollen und keine Frequenzerhebungen mehr. Dieser Forderung ist jetzt mit der heutigen Kommunikation an alle Mitarbeitenden entsprochen worden. Wir begrüssen auch die weiteren Massnahmen, die von der SBB eingeführt werden; damit sind unsere Forderungen weitestgehend erfüllt worden.

Wir fordern darüber hinaus, dass auch der Abbau von Gleitzeit nicht einfach angeordnet werden kann, sondern ebenso wie der Ferienbezug vereinbart werden muss, wenn jemand zu Hause bleibt, der oder die zur Risikogruppe gehört.

Leider hat die SBB in ihrer sonst umfassenden Information nichts dazu gesagt, wie sie damit umzugehen gedenkt, wenn Eltern aufgrund von Schul- und Kitaschliessungen zu Hause bleiben und ihre Kinder betreuen müssen. Wir gehen davon aus, dass sie hier höchstmögliche Kulanz walten lässt, zumal es aus jetziger Sicht in vielen Fällen weder angezeigt ist, Grosseltern einzusetzen oder selbst organisierte kollektive Betreuungsformen aufzuziehen. Eine analoge Anwendung des Urlaubs für kranke Kinder ist sicher angezeigt, je nach Situation auch länger dauernde Freistellung bei vollem Lohn.

Und nicht zuletzt: Wir fordern, dass die SBB Fragen des Gesundheitsschutzes in enger Zusammenarbeit mit den Pekos bearbeitet, da Pekos die Situationen vor Ort am besten kennen.

KTU

Selbstverständlich gelten die Forderungen, die der SEV an die SBB gestellt hat, für alle Transportunternehmen. Es gibt im Moment keinen Grund, eingeteilte Dienste unter Nichtbeachtung der üblichen Regeln umzustellen. Sollte hier ein Bedarf sein, muss dies mit dem SEV verhandelt werden. Der SEV wird keine Änderung ohne Verhandlung akzeptieren.

Luftverkehr SEV-GATA

Der Luftverkehr ist besonders stark betroffen von den Corona-Folgen. Swissport und Swiss beantragen Kurzarbeit. Prinzipiell leisten wir unsere erforderliche Zustimmung unter der Bedingung, dass 100% Lohnfortzahlung gewährt wird. Bei den Swissport-Betrieben ist dies noch in der Schwebe. Bei Swiss ist dies für 3 Monate garantiert, wobei gerade noch die Mindestlaufzeit des GAV Swiss Bodenpersonal auf Ende 2021 um 12 Monate verlängert werden konnte. Zudem halten wir die Betriebe an, alle zweckmässigen Massnahmen zum Schutz der Gesundheit unserer Mitglieder zu ergreifen. Weitere Infos für den Luftverkehr folgen am Montag in einem Membermail an alle SEV-GATA-Mitglieder.

Kommentare

  • Alfredo Tonina

    Alfredo Tonina17/03/2020 11:44:39

    Hallo

    Wie sieht es mit den Zulagen aus. Wenn die Nachtzüge gestrichen werden, verliert man doch einiges an Zulagen. Müsste doch auch ersetzt werden, oder sehe ich das falsch?

    Besten Dank für eure Antwort.

    Mit kollegialen Grüssen
    Alfredo Tonina
    Lf Winterthur

  • Teresa Cicciarella

    Teresa Cicciarella18/03/2020 07:49:27

    Ma se un lavoratore o un apredistato.che obligato a rimanere a casa per il corona virus.sara risRcito.prendera lo stesso ilsuo stipendio o no.siccome non e per causa sua.grazie.vivo nel cantone zurigo.

  • Aline Crausaz

    Aline Crausaz18/03/2020 17:35:51

    Bonjour
    Je travaille au centre d'exploitation de Lausanne, en service irrégulier. Depuis maintenant plus d'une semaine, je demande à nos chefs de réduire les tours en salle de commande car nous sommes toujours trop (beaucoup trop) nombreux. Avec des collègues, nous avons réfléchi à une exploitation par équipe sur 7 jours pour pouvoir permuter, nous préserver ainsi que nos familles et être toujours fit quand arrivera la reprise. J'ai aussi proposé d'essayer de travailler depuis la maison, mon laptop étant équipé de tous les programmes nécessaires, le nombre de voyageurs approchant le zéro c'était une opportunité. Toutes nos propositions ont été balayées. Effectivement, on a une bouteille de désinfectant pour les mains et on a un poil plus d'espace que d'habitude mais rien que sur le secteur info on est 15 à nous succéder sur une journée et ce serait possible de le faire tourner à 6 !!
    En desespoir de cause (plusieurs de mes collègues sont déjà en arrêt maladie), j'ai demandé encore une fois que des mesures soient prises ou
    que je puisse faire un essai depuis la maison pour mon prochain tour de service. La répartition m'a répondu qu'il n'y avait pas de problème et ils m'ont posé un congé !! Je ne veux pas de ce congé. Je suis même prête à donner des jours pour aider mais je veux être protégée!
    Qu'est ce que je peux faire ? Merci de me renseigner

  • Philip Heiz

    Philip Heiz23/03/2020 00:23:17

    Guten Tag,

    Wie ist es möglich das mehrere Privatbahnen und auch die SBB die Arbeiten einstellen. Weil es nicht möglich ist die Vorschriften bezüglich des Virus einzuhalten?
    Jedoch einzelne Privatbahnen die arbeiten Fortsetzen?

    Mit freundlichen Grüssen

    Antwort SEV:
    Der öV darf nicht ganz zum Erliegen kommen, denn gewisse Bereiche gehören zum Service public und sind für die Schweiz existenziell. Die öV-Unternehmen sind aber dazu aufgefordert, alles Nötige zu tun, um die Gesundheit der Mitarbeitenden zu schützen - unter strikter Einhaltung der Richtlinien des Bundesamts für Gesundheit. Wenn dies nicht möglich ist, kann nicht weitergearbeitet werden.

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