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Auf den Spuren von…

Laura Bamert, Spezialistin Analyse

Fachspezialistin Analyse Junior – hinter dieser trockenen Berufsbezeichnung versteckt sich eine engagierte junge Frau. Laura Bamert setzt sich vielseitig ein: für faire Arbeitsbedingungen im öffentlichen Verkehr, für die Jungen im SEV und nicht zuletzt für die Pünktlichkeit der SBB.

Das Gleisfeld im Blick: Laura Bamert auf dem Dach des SBB-Büros an der Zürcher Langstrasse.

Es ist der erste herbstliche Tag dieses Jahres: Die Luft ist kühl und feucht, der Wind bläst Laura Bamert die lockigen Haare ins Gesicht. Von der Dachterrasse des SBB-Büros an der Langstrasse hat man das gesamte Gleisfeld vor dem Zürcher Hauptbahnhof im Blick. Ein TGV Lyria fährt vorbei. «Aha, 9 Uhr 35», sagt Laura und blickt zur Kontrolle auf ihre Armbanduhr. Die Zeiger stehen auf 9 Uhr 36. Eine Minute zu spät ist er also, der TGV auf seinem Weg nach Paris. Damit landet er noch nicht in Lauras täglicher Verspätungsliste – dafür braucht es mindestens drei Minuten.

In ihrem Büro ein paar Stockwerke weiter unten bearbeitet Laura Bamert in ihrer Funktion als Fachspezialistin Analyse im Pünktlichkeitsoffice der SBB jeden Tag die Zugsverspätungen des Vortags. «Wir leben hier eigentlich im Tag gestern», sagt sie mit einem Schmunzeln im Gesicht. «Natürlich müssen wir trotzdem immer zukunftsorientiert denken.»

Für jeden Zug, der mindestens drei Minuten zu spät war, macht die Betriebszentrale eine Meldung und erfasst den Grund für die Verspätung in Form eines numerischen Codes. Die daraus entstehende Liste aller Verspätungen vom Vortag ist Laura Bamerts «Daily Business», wie sie es selbst nennt. Am Montag hat sie besonders viel zu tun, weil es dann die Verspätungen vom Freitag und vom Wochenende zu bearbeiten gilt.

Detektivarbeit

Laura ist zuständig für jene Fälle, in denen unter anderem das Zugpersonal, die Reisenden, andere Infrastrukturbetreiber oder Logistik am Zug als Grund für die Verspätung eingetragen wurden. «Meine Aufgabe besteht darin, die angegebenen Gründe zu prüfen», sagt sie und öffnet die gestrige Liste auf einem ihrer zwei grossen Bildschirme. Manche Verspätungen entstehen, weil zu wenig Zugpersonal auf dem Zug ist oder weil ein Arbeitsutensil nicht richtig funktioniert – dies kann zum Beispiel bei einer Abfahrtserlaubnis durch eine SMS passieren, wenn dieses aus technischen Gründen nicht beim Lokpersonal ankommt. «Hier würde ich nun bei dem Vorgesetzten des betreffenden Zugpersonals anfragen, wie es zur Verspätung kam», erklärt Laura. Oft fühle sich das Zugpersonal ob ihrer Anfragen etwas pikiert, obwohl sie doch in ihrem Interesse handle. «Ich möchte herausfinden, ob es wirklich der Fehler des Zugpersonals war oder ob nicht etwas ganz anderes dahintersteckte und das Personal alles richtig gemacht hat.» Wenn sich Verspätungen aus einem bestimmten Grund häufen, leitet Laura Bamert eine genauere Analyse ein, um das Problem zu lösen. Einmal in der Woche erstellt sie ausserdem einen Betriebslagebericht, in dem sie alle Verspätungen der vorherigen Woche in verschiedenen Statistiken zusammenstellt.

Aktiv in der SEV-Jugend

Die Pause verbringt Laura gerne mit einer Tasse Kaffee auf dem Dach. Sie arbeite erst seit Juni 2019 in diesem Büro, erzählt sie. Nebst ihrer 80%-Anstellung bei der SBB macht sie zurzeit die Ausbildung zur Spezialistin öV bei Login und engagiert sich in der SEV-Jugendkommission. «Früher habe ich mich gar nicht für Politik interessiert, ich dachte immer, das sei nur etwas für die Alten», sagt sie und lacht. «Als ich dann mit 18 plötzlich ein Wahlcouvert im Briefkasten hatte, wusste ich: Jetzt muss ich auch etwas tun.»

So liess sie sich schliesslich sogar überreden, in der SEV-Jugend aktiv zu werden. «Die Juko-Anlässe machen total Spass und es kommen immer wieder neue Leute, die sehr offen sind», freut sich Laura. Eine ihrer Aufgaben in der Kommission ist es, das Instagram-Profil zu betreuen – gemeinsam mit einigen anderen Juko-Mitgliedern aus allen Sprachregionen und der SEV-Kommunikation.

Schon vor ihrer Zeit in der Jugendkommission war Laura Bamert SEV-Mitglied. «Als ich noch in der Lehre war, sprach nichts gegen eine Mitgliedschaft, ausserdem gab es gratis Kinogutscheine», erinnert sie sich. Doch man merkt sofort, dass Laura schon lange nicht mehr nur deswegen Mitglied ist. Die Arbeitsbedingungen im öV liegen ihr sehr am Herzen: «Viele denken, die Gewerkschaft sei immer total anti – gegen das Arbeiten. Aber das stimmt nicht, wir sind pro – für faire Arbeitsbedingungen!»

Die SEV-Jugend auf Instagram:

@sevyoung


Karin Taglang
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