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Sehr hohe Beteiligung an der GAV-Umfrage des SEV beim SBB-Personal

Umfrage zeigt, wo der SEV beim GAV handeln muss

Die Umfrage des SEV zum GAV ist ein grosser Erfolg: Über 5500 Mitglieder haben den Fragebogen ausgefüllt und damit dem SEV klar den Weg gezeigt, wo in den Verhandlungen des nächsten Jahres die Schwerpunkte zu setzen sind. Unbestrittener Hauptinhalt des GAV bleibt der Lohn; Einstiegslohn und Lohnanstieg, Kündigungsschutz, Arbeitszeit und vorzeitige Pensionierung sind die wichtigsten Themen.

Die Unterschiede in der Beurteilung der verschiedenen GAV-Leistungen sind markant

Kein Punkt des Gesamtarbeitsvertrags ist den SEV-Mitgliedern wichtiger als der Lohn. Drei Jahre nach Einführung des neuen Lohnsystems ist der Lohn für vier von fünf Befragten weiter hin das wichtigste Element des GAV. Bei den übrigen Themen, die bei der letzten GAV-Verhandlung ausgeklammert waren, steht die vorzeitige Pensionierung deutlich zuoberst auf der Prioritätenliste der SEV-Mitglieder. Dahinter folgen die Themenbereiche Kündigungsschutz und Arbeitszeit. In der Umfrage wollte der SEV allerdings nicht nur wissen, worüber verhandelt werden soll, sondern auch, wie die Zufriedenheit des SBB-Personals an der Arbeit überhaupt ist. Die generelle Zufriedenheit erreicht einen Mittelwert von 3,6 auf der fünfstufigen Skala, was ungefähr den Werten entspricht, die auch die Personalumfrage der SBB selbst ergeben hat.

Dabei beeinflusst die allgemeine Zufriedenheit dann auch die Beurteilung der übrigen Arbeitsbedingungen: Wer generell am Arbeitsplatz zufrieden ist, findet eher auch den Lohn und die Arbeitszeit angemessen, wer gesamthaft unzufrieden ist, kritisiert auch die übrigen Bereiche.

Die Arbeitszufriedenheit ist in den Unterverbänden LPV, RPV und TS signifikant tiefer.

Spannweite der Berufsgruppen

Auffallend sind die Unterschiede der Unterverbände: LPV, RPV und TS beurteilen die Situation deutlich schlechter als ihre Kolleginnen und Kollegen der andern Berufsgruppen. Insgesamt sind auch die Frauen und die Jüngeren eher zufrieden als die Männer und die Älteren – ausser beim Lohn.

Nicht alles im GAV lösbar

Bei der Beurteilung der einzelnen GAV-Elemente erhält der Kündigungsschutz mit dem «Contrat social» sehr gute Noten. Auch die Leistungen bei Krankheit und Unfall werden geschätzt. Weniger gut sieht es bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus, ebenso beim Vaterschaftsurlaub; besonders jüngere Männer kritisieren diese beiden Punkte. Klar ungenügend beurteilen die Befragten die Möglichkeit des vorzeitigen Altersrücktritts. Dies drückt sich dann direkt bei der Frage nach den Themen aus, um die sich der SEV in den kommenden Verhandlungen besonders kümmern soll: Dort steht die frühzeitige Pensionierung zuoberst, wobei eine Lösung allerdings wohl ausserhalb des GAV zu suchen ist. Dieses Bild zieht sich auch durch alle Berufsgruppen.

Antworten auf die Frage: Auf welche Anliegen soll sich der SEV konzentrieren?

Zulagen sind wichtig

Bei den andern Themen gibt es dann allerdings Unterschiede: Für Lok- und Zugpersonal sind Arbeitszeitfragen wichtiger als für den Rest. Bei den Mitglieder aus Bau, LPV, RPV und ZPV sind auch die Zulagen deutlich wichtiger als in den übrigen Unterverbänden.

Zusätzliche Anliegen

In den freien Rückmeldungen nennen die Mitglieder insbesondere FVP und die Sanierungsbeiträge an die Pensionskasse, zudem ist ein deutliches Unbehagen gegenüber Grossraumbüros ohne persönliche Arbeitsplätze spürbar. Diese Themen lassen sich jedoch nicht direkt im Gesamtarbeitsvertrag regeln. Der SEV versteht es dennoch als Auftrag, sich entsprechend einzusetzen.

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