Bruno Bärtsch, Leiter der Präventionsassistent/innen in der Westschweiz:
«Ich glaube sehr stark an die Macht der Prävention!»

Bruno Bärtsch (44) ist Feldweibel der Bahnpolizei. Von seinem Büro in Lausanne aus koordiniert er die Arbeit «seiner» zehn Assistentinnen und Assistenten für Prävention.
Der «Monsieur Prävention» der SBB ist dynamisch, redegewandt und höflich, also auf seine Aufgaben geradezu zugeschnitten. Doch er korrigiert sogleich: «Auf nationaler Ebene bin ich nur Stellvertreter des Leiters des Kompetenzzentrums für Gewaltprävention bei der Bahnpolizei Arnold Wittwer, der einen Universitätsabschluss in Psychologie hat. Ich koordiniere hier in Lausanne den Einsatz der zehn Präventionsassistent/innen in der Westschweiz und plane auch die Arbeit der neun Assistent/innen im Raum Zürich.»
Die SBB-Sicherheitskette
Die SBB will die Sicherheit der Reisenden und Mitarbeitenden mit einer ganzen Palette von Massnahmen gewährleisten:
Vor der Reise
Schulzug, Objektschutz durch Bahnpolizei, örtliche Polizei, Präventionsprojekt RailFair mit Präventionsassistent/innen, Bahnhofpaten und Grands frères, örtliche Sozialprojekte, Bahnhofhilfe.
Spezifisch für das Zugpersonal: praxisnahe Aus- und Weiterbildung.
Während der Reise
Präventionsprogramm RailFair mit Präventionassistent/innen, Grands frères, Schülerbegleitungen, Ausrüstung von Regionalzügen und S-Bahnen mit Video, Einstiegs- und Stichkontrollen, Wochenend- und Eventeinsätze von Bahn- und Kantonspolizei, Begleitung kritischer Züge durch Bahnpolizei, Securitas und Grenzwachtkorps.
Spezifisch für das Zugpersonal: Supporter/innen im Raum Zürich und in der Romandie (von externen Fachleuten ausgebildete Zugbegleiter/innen unterstützen Arbeitskolleg/innen in schwierigen Situationen telefonisch).
Nach der Reise
Kundendienst, örtliche Polizei. Spezifisch für das Zugpersonal: Weiterbildungen, Unterstützung durch die Vorgesetzten nach Vorfällen, Nachbetreuung durch das soziale Netz, Tätlichkeiten werden als Offizialdelikte verfolgt.
SBB
Bruno Bärtsch trat 1980 in die SBB ein. Er machte in Chiasso eine Betriebsangestelltenlehre und arbeitete etwa zehn Jahre auf Bahnhöfen in der Deutschschweiz. Dann machte er eine vollständige Polizeiausbildung, kam 1997 zur Bahnpolizei und wurde Gruppenleiter in Neuenburg. Die Bapo vertraute ihm die Leitung der ersten Präventionsassistent/ innen an. Interview mit diesem Polizisten, der seit 21 Jahren SEV-Mitglied ist.
kontakt.sev: Wie ist die Arbeit der Präventionsassistent/ innen strukturiert?
Bruno Bärtsch: Sie arbeiten immer zu zweit und haben nach einem vorgegebenen Zeitplan einen Sektor abzudecken. Bestimmte Spät- und Frühzüge sind vorgegeben, daneben können sie selber bestimmen, welche Züge sie begleiten. Zu 90 % stehen sie in Zügen im Einsatz und zu 10 % auf Bahnhöfen.
Wie sieht die Bilanz nach ein paar Wochen Einsatz aus?
Sehr positiv! Im Mai haben die zehn Westschweizer Assistent/ innen etwa 812 Züge begleitet. Die Zahl der Fälle, in denen sie Reisenden helfen und gespannte Situationen entschärfen konnten, ist beeindruckend. Das Feed-back der Kundschaft ist auf jeden Fall sehr gut.
Und was sagen die Kontrolleure und Zugchefs?
Unsere Assistent/ innen begleiten vor allem Regionalzüge, wo es bekanntlich nur sporadische Stichkontrollen gibt. Aber auch in den Fernverkehrszügen sind die Kontakte mit den Kontrolleuren und Zugchefs in der Regel gut oder sehr gut, und der Einsatz hat sich auch dort schon als nützlich erwiesen: Anfang Juni konnten zwei Assistenten verhindern, dass ein Kontrolleur angegriffen wurde.
Und wenn Präventionsassistent/innen von Kunden bedroht werden sollten, was dann?
Wenn jemand gegen Präventionsassistent/ innen gewalttätig würde, wäre dies für uns ein Misserfolg unserer Vermittlungsarbeit. Unsere Assistent/innen müssen wissen, wie weit sie gehen können. Sie haben keine anderen Waffen als das Telefon und ihren gesunden Menschenverstand.
Habt ihr nicht eine zu idealistische Vorstellung von den Rüpeln und Gewalttätern?
Ich glaube sehr stark an die Macht der Prävention – stärker als an die Macht der Repression. Schauen Sie nur, welchen Erfolg die Präventionskampagnen gegen Trunkenheit am Steuer und zu schnelles Fahren bereits erzielt haben. Es gibt keinen Grund, warum unsere Präventionsassistent/innen die Zahl gewaltsamer Übergriffe und rüpelhaften Verhaltens in den Zügen nicht senken können sollten.
Interview: Alberto Cherubini/Fi