Coronavirus: Unsere Forderungen an die öV-Unternehmen

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«Wir fordern alle Unternehmen auf, dass sie sämtliche erforderlichen Massnahmen zum Schutz der Gesundheit des Personals treffen. Und wo dies nicht möglich ist, ist unsere Haltung klar: Die Arbeit darf nicht weitergeführt werden.» Als Verantwortliche für die SBB-Dossiers vertritt Vizepräsidentin Barbara Spalinger diese Position mit Nachdruck. «Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen zuvorderst, weil sie Teil des Service public sind. Der öffentliche Verkehr funktioniert weiterhin, auch nach der drastischen Reduktion des Angebots in Folge der wirtschaftlichen Verlangsamung und des Aufrufs des Bundesrats zum Home-Office.» Nicht alle haben die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Für alle, die dies nicht können, muss der Arbeitgeber sicherstellen, dass die Massnahmen zum Gesundheitsschutz vollumfänglich den Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit entsprechen. 

Barbara Spalinger ergänzt: «Personen, die zu einer der vom BAG genannten Risikogruppen gehören (Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankung, chronische Krankheit der Atemwege, Immunschwäche infolge einer Krankheit oder einer Therapie, Krebs), sollen nicht mehr an den Arbeitsplatz gehen und im Zweifelsfall die SBB-Hotline für Risikopersonen anrufen. Nehmt eure Rechte wahr und stellt eure Fragen den Vorgesetzten. Informiert uns, wenn es Schwierigkeiten gibt oder die Antworten nicht genügen. Die Gesundheit ist von unschätzbarem Wert – der SEV steht für euch ein.» 

Es ist offensichtlich, dass es in gewissen Bereichen der SBB noch viel zu tun gibt. 

Brennpunkt SBB-Baustellen

Urs Huber ist im SEV für die Division Infrastruktur zuständig. «Auf Druck des SEV haben wir erreicht, dass die meisten Grossbaustellen seit dem 19. März geschlossen sind. Nur die Baustellen, die für die Aufrechterhaltung des Bahnbetriebs erforderlich sind, werden weitergeführt. Wir mussten auch einschreiten bezüglich vieler Unterhaltsarbeiten, die uns angekündigt wurden. Wir tauschen uns täglich mit der SBB aus und besprechen offene Punkte, die uns mitgeteilt worden sind. Entsprechend werden gewisse Tätigkeiten angepasst oder gar eingestellt. Wir haben starken Druck auf die SBB ausgeübt, denn die Kollegen haben uns Belege geschickt, dass die Sicherheitsmassnahmen nicht eingehalten wurden, angefangen bei Personaltransporten zu den Baustellen mit bis zum Platzen gefüllten Fahrzeugen, im kompletten Widerspruch zu den Distanzregeln.» Dieses Problem taucht noch verstärkt bei Drittfirmen auf, die im Auftrag der SBB arbeiten. «Sie scheinen sich einen Deut um Sicherheitsvorschriften und Arbeitszeiten zu kümmern. Wir haben den Eindruck, dass sie um jeden Preis arbeiten!»

Der SEV und der Unterverband Bau haben nun zusätzlich gefordert, dass auf jeder Baustelle eine Person definiert wird, die dafür verantwortlich ist, dass die Bestimmungen zum Gesundheitsschutz im Zusammenhang mit dem Corona-Virus eingehalten sind. 

Besondere Situation in den Betriebszentralen

Die Betriebszentralen (BZ) können nicht geschlossen werden, sonst würde der Schienenverkehr stillstehen. Arbeit von zu Hause aus ist weitgehend unmöglich, da der Verkehr direkt von den Betriebszentralen aus geführt werden muss.

In den BZ wurden zahlreiche Massnahmen getroffen, um die Gesundheit des Personals zu schützen. Beispielsweise wurden die Teams in den Kommandozentralen reduziert und ganze Sektoren in die Schulungsräume verlegt. 

Der SEV und die Peko beobachten die Entwicklung aufmerksam. Eure Hinweise sind jederzeit willkommen. Alle Kontaktmöglichkeiten während der Coronakrise findet ihr hier.

Von Feuchttüchern bis zu Schutzscheiben

In den Industriewerken gab es gewisse Probleme mit der Einhaltung der Sicherheitsregeln. «Wir wurden von Kollegen darauf hingewiesen, dass ihrer Meinung nach die Empfehlungen des BAG nicht umgesetzt wurden», erläutern René Zürcher und Jürg Hurni. 

Im Allgemeinen waren in der Division Personenverkehr die Kommunikation und die Massnahmen in den letzten Wochen heikel. «Einzelne Kollegen haben sechs Feuchttüchlein erhalten... Desinfektionsmittel für die Hände wurde nicht ausreichend verteilt», ergänzt Jürg Hurni. «Zudem haben gewisse Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter antibakterielle Mittel erhalten, aber es ist eine virale Pandemie. Das kann Verwirrung über die Wirkung des Produkts auslösen», hält René Zürcher fest. 

Im Verkauf wurden auf die Forderung des SEV hin Plexiglasscheiben montiert. Im Tessin sind alle Schalter mit Ausnahme von Bellinzona und Lugano geschlossen. Die Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter führen keine Billettkontrollen mehr durch, sind aber auf den Zügen, um die Sicherheit der Reisenden zu gewährleisten, wenn es denn noch solche hat... 

Temporäre besser geschützt

Die Situation der Temporären scheint sich zu verbessern. «Sie haben Anrecht auf Kurzarbeit. Wir werden darauf achten, dass niemand seine Stelle verliert. Wir haben von Temporären gehört, dass sie entlassen worden sind. Das ist unzulässig! Sie können sich bei uns melden, damit wir sie vertreten. Zudem sind wir bei der SBB interveniert, damit sie von den Arbeitgebern mit Temporärpersonal verlangen, dass sie die Leute behalten. Die SBB wird eingreifen», stellt Barbara Spalinger klar. 

Arbeitszeit bei den KTU: Die Sozialpartnerschaft ist zentral

SEV-Vizepräsident Christian Fankhauser will bei den KTU die Sozialpartnerschaft mit Händen und Füssen verteidigen: «Wenn Unternehmen Entscheidungen treffen wollen, ohne uns zu konsultieren, werden wir intervenieren - vor allem bei Arbeitszeitfragen. Wir verlangen, dass die Arbeitszeitguthaben Stand März eingefroren werden. Und die Arbeitsplanung für den März muss trotz der Fahrplanänderungen im öffentlichen Verkehr bestehen bleiben». Für Kurzarbeiter «muss der Lohn zu 100% bezahlt werden», so Christian Fankhauser weiter. Und es steht nicht zur Debatte, unter dem Vorwand des Coronavirus stundenweise Personal abzubauen.

Der SEV steht seinen Mitgliedern für sämtliche Fragen und Anliegen zur Verfügung und fordert sie auf, jegliche Probleme zu melden: Alle Kontaktmöglichkeiten während der Coronakrise findet ihr hier.

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