Coronavirus

Arbeitszeitregelung Corona SBB / SBB Cargo: Meldet uns eure Fälle

Symbolbild © SBB CFF FFS

Solltet ihr die Arbeitszeitregelung bei SBB / SBB Cargo während Corona für eure Situation als unfair erachten, meldet uns bitte euren Fall.

Die Mitarbeitenden bei SBB und SBB Cargo heute die Information bekommen, wie die SBB und SBB Cargo gedenken, die Zeit während der Coronaphase (15. März bis 7. oder 30. Juni) zu regeln.

Der SEV ist am 1. Juli im Rahmen einer KooGAV-Sitzung darüber informiert worden. Dabei haben wir zwei Dinge feststellen müssen:

  1. dass unsere zu Anfang des Lockdowns gestellte Forderung Zeit einfrieren und nach dem Lockdown entsprechend ausgleichen nicht erfüllt wurde und
  2. dass SBB Cargo den Zeitausgleich abweichend vom Konzern regeln will – und zwar zulasten der Mitarbeitenden.

Zeitregelung bei der SBB

Die Nichterfüllung der ersten Forderung war keine grosse Überraschung, da wir ja im ständigen telefonischen Kontakt mit der SBB waren und auch das Q&A der SBB kannten, das den Abbau von Gleitzeit und den Bezug der Ferien vom Vorjahr von Anfang an nannte. Da anfangs des Lockdowns mit dem Herunterfahren des Fahrplans niemand wusste, wie sich die Situation entwickeln würde und vor allem, wie lange der Lockdown überhaupt dauern würde, mussten wir uns darauf einlassen, erst am Ende dieser Phase darüber zu diskutieren. Wir haben aber immer gesagt, dass wir uns vorbehalten, Lösungen finden zu wollen, wenn das Resultat dieses Zeitabbaus für den oder die Betroffene/n sehr ungerecht sind. An diesem Punkt sind wir jetzt.

Die Rahmenbedingungen bei der SBB sind die folgenden: Der Zeitausgleich erfolgt GAV-konform. Mit dem Schnitt am 7. Juni resp. 30. Juni geht die SBB über den GAV hinaus und auch der Ausgleich der entgangenen Zulagen sowie die zugestandenen freien Tage für die Kinderbetreuung ist von ihrer Seite her freiwillig erfolgt. Trotzdem gehen wir davon aus, dass für die oder den Einzelnen Situationen entstanden sind, die ungerecht sein können. Da geht es beispielsweise um das bewusste Vorarbeiten für eine Auszeit. Oder um jene Personen, die zwar immer arbeiten konnten, aber verkürzte Touren hatten. Oder zu wenig Arbeit im Homeoffice. Und nicht zuletzt geht es auch darum, dass gleiche Fälle gleich behandelt werden.

Im Nachgang zum 1. Juli haben wir mit der SBB deshalb vereinbart, dass wir solche Fälle nochmals anschauen und allenfalls auch kollektiv regeln, sofern eine grosse Zahl ähnlicher Fälle vorliegen.

Bist du mit der Regelung der Arbeitszeit nicht einverstanden? Melde uns deinen Fall: Die E-Mail-Adresse sowie das Vorgehen findest du hier.

Zeitregelung bei SBB Cargo

Während des Lockdowns wurde uns an den Telefonkonferenzen immer versichert, dass die Zeitregelung konzernweit gleich erfolgen würde. Am 1. Juli haben wir allerdings zur Kenntnis nehmen müssen, dass SBB Cargo entschieden hat, einen Sonderzug zu fahren: Sie wollen den Annahmeverzug des Arbeitgebers (also der Umstand, dass jemand nicht arbeiten konnte, weil der Arbeitgeber keine Arbeit anbieten kann) erst Ende Jahr prüfen und in der Zwischenzeit mit einem Begleitausschuss die Arbeitszeitkonten eng begleiten. Begründet wird dies mit der finanziellen Situation von SBB Cargo.

Zu Deutsch bedeutet dies, dass die Mitarbeitenden den möglichen Annahmeverzug des Arbeitgebers selbst ausgleichen sollen. Wir halten dies weder für fair noch für korrekt und werden an keinem Begleitausschuss mit dieser Zielsetzung teilnehmen. Es widerspricht auch der Aussage im Q&A, dass sobald die ausserordentliche Lage beendet ist, die Zeitkonten geprüft und allfällige Minussaldi ausgeglichen werden.

SBB Cargo stellt sich dazu auf den Standpunkt, ihr Verhalten sei GAV-konform. Dies stimmt rein formal, es widerspricht allerdings der Aussage im Q&A und vor allem trägt es dem Umstand keinerlei Rechnung, dass wir mit der Coronakrise eine ausserordentliche Lage hatten. Diese ausserordentliche Lage soll nun offensichtlich von den Arbeitnehmenden getragen werden.

Wir haben uns anlässlich der letzten GAV-Verhandlungen bereit erklärt, mit SBB Cargo über mögliche Abweichungen vom heutigen GAV zu verhandeln, dazu sind wir als Sozialpartner verpflichtet. Wir werden aber erst im August erfahren, welchen Handlungsbedarf SBB Cargo konkret bezüglich Arbeitsbedingungen hat. Mit diesem Alleingang bei der Zeitabrechnung nimmt sie nun bereits eine Massnahme vorweg, ohne sie verhandeln zu wollen. Dies erachten wir als Verstoss gegen Treu und Glauben, zumal eine Vertretung von SBB Cargo jeweils an den Sozialpartner-Telefonkonferenzen teilgenommen hat, ohne je bekannt zu machen, dass sie eine Sonderregelung wollen.

Wir fordern daher von SBB Cargo, umgehend mit uns in Verhandlungen zu folgenden Punkten zu treten:

  • Zeitschnitt am 7./30. Juni analog SBB
  • Keine Übernahme des Annahmeverzugs des Arbeitgebers durch Mitarbeitende
  • Nachgängige Korrektur allfälliger ungerechter Lösungen

Wir fühlen uns auch verpflichtet, den Mitarbeitenden von SBB Cargo nahe zu legen, keine zusätzlichen Dienste anzunehmen, bis die Situation geklärt ist. Dies ist zwar nicht sehr konstruktiv, aber angesichts der Überrumpelungstaktik von SBB Cargo leider notwendig.

Nun seid ihr am Zug: Meldet uns eure Fälle

Mitarbeitende von SBB und SBB Cargo haben die Möglichkeit, ihre persönliche Situation nach dem Zeitausgleich darzulegen, wenn sie damit unzufrieden sind. Die SBB hat ihre Bereitschaft zu Verhandlungen zugesagt. Von SBB Cargo fordern wir sie.

Wir brauchen: euren Namen, eure Funktion und euren Arbeitsort, eine kurze Beschreibung des Sachverhalts und allenfalls eine Kopie der persönlichen Zeitabrechnung. Schickt dies per E-Mail an: Enable JavaScript to view protected content.

Achtung: Eure Mails werden nicht persönlich beantwortet. Wir sammeln und triagieren die Fälle als Vorbereitung für Verhandlungen, sie bleiben SEV-intern. Sobald wir das Ausmass und die Inhalte kennen, werden wir euch wieder über das weitere Vorgehen informieren. Ohne Zustimmung der direkt betroffenen Person geht auch dann kein Einzelfall an Drittpersonen.

Bedingt durch die Sommerpause erfolgt die Information in der ersten Augusthälfte.