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Begeisternde Rede von SEV-Präsident Giorgio Tuti

Wie gerecht ist die Schweiz?

Ein Rückblick auf Erreichtes und ein Ausblick auf die nächsten Ziele, das sind die Elemente der Kongressrede von Giorgio Tuti. Er wusste die Delegierten erneut zu begeistern.

Giorgio Tuti am Kongress: «Es lebe der SEV!»

Was in den letzten zwei Jahren mit der gewerkschaftlichen Arbeit erreicht wurde, ist für alle Mitglieder im Sozialbericht nachzulesen. Trotzdem liess es sich Giorgio Tuti nicht nehmen, ein paar besonders wichtige Punkte noch speziell herauszugreifen. Ein politischer Erfolg, der zentral ist für die Zukunft des öffentlichen Verkehrs, konnte bei der FABI-Abstimmung erzielt werden. Der SEV hat hier massgeblich zum guten Ergebnis beigetragen. Gewerkschaftliche Erfolge konnten mit dem Abschluss von acht neuen Gesamtarbeitsverträgen erzielt werden: im touristischen Bereich, im Bus- und Nahverkehrsbereich, im Bahnbereich – teils nach langem und hartem «Bohren», wie Tuti sagte. Erneuert wurden die GAV von SBB und SBB Cargo, Tuti zeigte sich «stolz auf die neuen Elemente», die neuen Pensionierungsmodelle.

Leider konnte bei der Abstimmung über zwei Initiativen kein Erfolg erzielt werden: Eine Zustimmung zur Mindestlohn-Initiative und zur 1:12-Initiative hätte die Schweiz «ein klein wenig gerechter gemacht», stellte Tuti fest.

Geld ist ungerecht verteilt

Damit kam Tuti zum Ausblick und auch zum zentralen Teil und Inhalt seiner Rede, zur Frage, wie gerecht die Schweiz ist, wie gerecht die Einkommen und Vermögen hierzulande verteilt sind. «Die Schweiz ist so reich wie noch nie. Aber nicht für alle», hielt der SEV-Präsident als ernüchterndes Fazit fest. Die Schere öffnet sich immer weiter, die Löhne des bestbezahlten Prozents sind in den letzten zwanzig Jahren um 40 Prozent gestiegen, die tiefen und mittleren Löhne dagegen, bei denen eine Steigerung zur Erhaltung der Kaufkraft besonders wichtig wäre, nur um 10 Prozent. «Bei den Renten sieht es noch trauriger aus», so Tuti. Die AHV-Renten verlieren an Wert, bei den Renten der beruflichen Vorsorge fehlt der Teuerungsausgleich, sodass die Kaufkraft sinkt. «Die Schweiz ist zwar reich, aber ungerecht!», hielt Tuti fest. Deshalb brauche es weiterhin die Gewerkschaften und ihre Mitglieder, die die Schweiz etwas gerechter machten. Die nächste Gelegenheit besteht am 14. Juni bei der Abstimmung zur Erbschaftssteuer, zu der Tuti lakonisch festhielt: «Diejenigen, die die Steuer bezahlen müssten, sitzen nicht hier im Saal.» Auch weitere Volksinitiativen werden darüber entscheiden, wohin sich die Schweiz in den nächsten Jahren entwickelt: «Wir stimmen Nein zur 2. Gotthardröhre, die den Schienengüterverkehr konkurrenziert und die Verlagerung sabotiert. Wir sagen Nein zur Service-public-Initiative, die den Tod des Service public bedeuten würde. Wir sind die Profis des Service public! Und vor den nationalen Wahlen werden wir wiederum ein Rating publizieren, um öffentlich zu machen, wer im Sinne des öffentlichen Verkehrs und im Sinn seines Personals politisiert.»

Gewerkschaftliche Erfolge

Tuti ist stolz, dass das Inventar des SEV 64 Firmen-GAV und 8 nationale und kantonale Rahmen-GAV umfasst. Bestehende GAV wie jenen der BLS müsse man weiterentwickeln, wobei Konflikte nicht immer zu vermeiden seien. Die GAV müssten aber auch korrekt angewandt werden. Dass sich die SBB heute davor drückt, langjährige Temporärangestellte fest anzustellen, nennt Tuti eine «Schweinerei». Der Streik bei der Genfer TPG hat gezeigt: Wo es den SEV braucht, ist er zur Stelle. Die gute Organisation, die Unterstützung der Pensionierten und die Entschlossenheit des Personals haben den Sieg gebracht, gegen den Arbeitsplatzabbau und den Lohnabbau.

Tuti glaubt, dass die Vision 2030 des BAV und die Entwicklungen um Crossrail, die sehr negativ sind, weniger der Haltung des BAV als der Politik hinter BR Leuthard entsprechen: «Wir werden diese Pläne juristisch, politisch und vor allem gewerkschaftlich bekämpfen!»

Auch intern geht es vorwärts

Bei der Mitgliederentwicklung ist der SEV auf dem richtigen Weg; und das Sektionscoaching hat schon viel gebracht.

Der SEV ist offen für die Zusammenarbeit mit anderen Gewerkschaften in der Schweiz und Europa und will das Engagement verstärken. «Die Arbeit wird uns nicht ausgehen. Ich bin froh, auf eine intakte Organisation zählen zu können. Ich danke allen Personen und Organisationen, die helfen», so Tuti: «Es lebe der SEV!»

pan.

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