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Geschlossene Reihen der Schiffsleute

Tagung der Branche Schifffahrt in Luzern

Gutes Wetter, durchzogene Arbeitsbedingungen – das ist die Kurzformel der Schweizer Schifffahrt im letzten Sommer.

Die «Piraten» vom Lago Maggiore in Luzern, in Begleitung von SEV-Sekretär Angelo Stroppini und Pietro Gianolli, der als Übersetzer amtete.

Alle waren sie gekommen: Die Matrosen und Kapitäninnen vom Genfersee und vom Bodensee, vom Walen- und vom Zürichsee, von den drei Jurarandseen und aus dem Berner Oberland. Die Schiffer vom Lago Maggiore waren über den Gotthard gekommen und trafen sich mit den gastgebenden Kolleg/innen vom Vierwaldstättersee. Zusammen mit den Profis vom SEV waren es 50 Leute, es fehlte nur eine Delegation vom Luganersee. Dicht geschlossene Reihen gab es aber nicht nur auf der «Weggis», wo die Versammlung stattfand, sondern im übertragenen Sinn auch unter den Gewerkschafter/innen, die den Austausch miteinander pflegten.

AZGV in der Vernehmlassung

SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger orientierte über die Neuerungen beim AZG. Nachdem die Gesetzesrevision letztes Jahr von den politischen Instanzen beschlossen worden ist, geht es jetzt an die Anpassungen in der Verordnung, die gegenwärtig in der Vernehmlassung ist. Neu ist, dass für den Zeitzuschlag nicht mehr zwischen auswärtigen und anderen Pausen unterschieden wird, künftig gibt es den Zuschlag bei jeder Pause ab der 61. Minute oder wenn in einer Schicht zwei oder mehr Pausen eingeteilt sind. Zwanzig Ruhesonntage sind garantiert, mindestens vier davon in der Sommersaison und ein volles Wochenende, also Samstag und Sonntag. Die ununterbrochene Arbeit darf maximal 5.5 Stunden dauern und die Schicht 15 Stunden, durchschnittlich aber nicht mehr als 12 Stunden. Pausen an Bord sind auf 60 Minuten begrenzt. All diese Vorschriften sind wie gesagt in der Vernehmlassung und werden wohl auf den Fahrplanwechsel Ende 2018 in Kraft gesetzt.

Barbara Spalinger ergriff auch die Gelegenheit, die Anwesenden zu einem Nein zu NoBillag aufzufordern.

Positiv: die Solidarität

VPT-Präsident Gilbert D’Alessandro ist ein treuer Gast an den Tagungen der Schifffahrtsbranche. In seinem Grusswort lobte er die Schiffer für den guten Ton, der in den Teams auf den Schiffen herrscht. Er erinnerte daran, dass es auf den Schiffen Zusammenarbeit braucht und leitete damit zum grossen Thema des letzten Sommers über, zum Streik auf dem Lago Maggiore. «Ein Streik ist keine Sonntagsschule», das wissen wir. Ein Streik mag schnell beschlossen sein, aber die Auswirkungen auf die Angestellten sind happig: Finanzielle Sorgen, gesundheitliche Belastungen und Schlafprobleme nannte D’Alessandro als Beispiele. Am Streik auf dem Lago Maggiore, der von SEV-Sektionen aller Branchen aus der ganzen Schweiz unterstützt wurde, haben alle Angestellten teilgenommen. Gestreikt wurde mit Würde, alles hat gut funktioniert und lief demokratisch ab. Die Schiffsleute wurden von den SEV-Sekretär/innen des Tessins und der Zentrale unterstützt – es zahlt sich aus, dass der SEV Streikerfahrung hat, dieses ultimative Kampfmittel aber nur zurückhaltend und klug einsetzt.

Selbstverständlich durfte ein Wort zur Mitgliederwerbung nicht fehlen: Der Trend im VPT ist gut, das Werben von Neumitgliedern bleibt aber wichtig und das Bemühen, dass Kolleg/innen im SEV bleiben, noch wichtiger.

Schwierige Verhandlungen

Die Stichworte für SEV-Sekretär Angelo Stroppini, den massgeblichen Streikführer im Tessin, waren gegeben. Er erinnerte daran, dass es in einer Gewerkschaft neben den Arbeitsbedingungen auch um Emotionen, um Gefühle geht. Er dankte für die Solidarität der andern Schiffsleute. Auch die Bevölkerung und die Tourist/innen verstanden die Gründe für den Streik. Seit dessen Ende laufen die Verhandlungen, die erschwert werden, weil es nicht nur einen Ansprechpartner gibt, sondern neben der Unternehmung auch das BAV und den Kanton. Es ist eine herbe Enttäuschung, dass das neue Konsortium, das für die Schifffahrt auf dem Lago Maggiore zuständig ist, «aus technischen Gründen» noch nicht starten kann. Die Verhandlungen, die gegenwärtig laufen, finden ohne mediale Begleitung statt, um die Situation zu deblockieren.

Gianluca Carini dankte als Delegierter der Streikenden seinen Kolleg/innen von den andern Seen. «Wir haben gestreikt, weil wir überzeugt waren, für eine gerechte Sache zu kämpfen», sagte er. Er wurde mit einer «standing ovation» geehrt.

«Kalter Krieg» im Osten

Von «extremen Spannungen» musste Felix Birchler berichten, der als SEV-Sekretär in St.Gallen auch für die Schifffahrtsunternehmen auf dem Bodensee und auf Untersee und Rhein zuständig ist. Mit letzterem stehe der SEV im «kalten Krieg». Ein Firmenarbeitsvertrag schützte das Personal weitgehend, aber der Geschäftsführer verweigerte das Gespräch und die Arbeitgeberseite musste vom SEV regelrecht zu den Verhandlungen gezwungen werden, die nun beginnen.

429 Neueintritte

Die Mitgliederwerbung ist auch im VPT ein Dauerbrenner. René Schnegg, der neue Werbeverantwortliche des Unterverbandes, wartete mit interessanten Zahlen auf. Der VPT konnte seine Mitgliederzahl im letzten Jahr leicht steigern, dies dank einigen aktiven Sektionen. Fürs nächste Jahr setzte Schnegg das Ziel, dass jede Sektion mindestens drei neue Mitglieder gewinnt und dass die Austritte um zehn Prozent reduziert werden.

Löhne und Swisspass

Bei der traditionellen «Chropfleerete» ging es zuerst um die Löhne. Allgemeine oder individuelle Lohnerhöhungen oder Prämien fallen ganz unterschiedlich aus.

Die Einführung des Swisspass ist bei praktisch allen Schiffsbetrieben, bei denen er gültig ist, mit Schwierigkeiten verbunden gewesen. Von Funklöchern und technischen Problemen, die die Kontrolle des Plastikbillettes erschweren, mussten einige Schifffahrtsleute berichten. Immerhin gibt es auch Schifffahrtsunternehmen, die wegen des Mehraufwandes Kontrollunterstützung gewähren.

pan.

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