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SBB Infrastruktur

Notfallübung bei der Intervallplanung

Das Positive zu Beginn: Die Geschäftsleitung Infrastruktur SBB hat für 2018 kurzfristig 10,5 Stellen im Bereich Intervallplanung von Fahrplan und Netzdesign bewilligt. Doch schon reorganisiert sich FN wieder neu und streicht sechs Stellen. Ob die Ideen und Gedankengänge der Projektleitenden diesmal aufgehen? Für die Kollegen mit Stellenverlust wohl kaum.

Mit dauerhaft überdurchschnittlicher Belastung verlieren alle.

Die bewilligten zusätzlichen Mitarbeitenden sollen zwar auch helfen, die neuste Organisation mit neuen Tools etc. zu bewältigen. Aber vor allem war die Situation bei der Intervallplanung in diesem Jahr schlicht unhaltbar geworden. Obwohl Mitarbeitende in einzelnen Regionen u.a. Hunderte von Überstunden leisteten, wurde die Dienstleistung immer schlechter. Das heisst, vor allem wurde die Planung immer kurzfristiger. Und das aus der Not. Wer in der Arbeit ertrinkt und z.B. nächste Woche noch Baustellen planen muss, kann nicht die weitere Zukunft managen.

Der SEV hatte seit fast einem Jahr Kenntnis von der Situation. Damals baute man sogar noch Stellen ab, obwohl Arbeit in Hülle und Fülle vorhanden war. Seither intervenierten wir immer heftiger, mit immer mehr konkreten Hinweisen. Im August 2017 erzwangen wir eine Besprechung mit den Verantwortlichen. Sie mussten die Vorwürfe des SEV bestätigen.

Dass nun endlich «gehandelt» wurde, ist offensichtlich auch den «Geschäftspartnern» der Intervallplanung zu verdanken: Ob Eisenbahnverkehrsunternehmungen, Projekt- oder Ausführungsorganisationen, sie bekamen die Auswirkungen der fehlenden personellen Ressourcen direkt zu spüren, indem ihre eigene Planung zu wenig Vorlaufzeit bekam, und haben offenbar heftig interveniert.

SEV

Desaster war vorprogrammiert

Wie unhaltbar die Situation bei Infrastruktur FN Intervallplanung geworden war, ist offensichtlich. Wenn die GL Infrastruktur einem Bereich von gerade mal 50 Stellen notfallmässig kurzfristig 10,5 Stellen bewilligt, dann grenzt das eher an ein Wunder! Und man wundert sich.

Nun gut, «endlich!», könnte man sagen. Aber für uns bleiben Fragen: Wie konnte man einem Boot, das gegen die Wellen kämpft, vorher noch Ruderer wegnehmen? Warum hörte man den Mitarbeitenden einfach nicht zu und ignorierte sie? Warum wird nicht gehandelt, wenn der SEV sogar mit internen schriftlichen Dokumenten kommt, wo offen von Grounding und An-die-Wand-Fahren gesprochen wird, von Nichteinhalten von Leistungen gegenüber Abnehmern, Partnern etc.?

Zu all dem schickte man gleichzeitig einen langjährigen Mitarbeiter ins Arbeitsmarktcenter und versuchte sich mit Stagiaires etc. zu helfen. Eine oft beobachtete Situation: Hauptsache, um keinen Preis eine Fehlplanung eingestehen.

Der Fall ist auch grundsätzlich typisch geworden: Eine Transformation, Reorganisation wird personell immer zu knapp und zu optimistisch bemessen. Die theoretische Planung wird massgebend, nicht die Realität. Wenn vorgesehen ist, dass die Sonne scheint, dann scheint sie, auch wenn es draussen regnet.

Das Desaster bei FN Intervallplanung war nicht nur vorprogrammiert, sondern dazu noch selber organisiert. Wie teuer die Folgen bei den Partnern durch suboptimale Planung war, wollen wir gar nicht wissen. Wie so oft muss man feststellen: Hauptsache gespart, koste es was es wolle! Verantwortlich? Wohl niemand.

Urs Huber, Gewerkschaftssekretär und Leiter SEV-Team Infrastruktur

Kommentare

  • Massimo Piccioli

    Massimo Piccioli 07/12/2017 10:06:33

    Quando si parla di FN, chi non é addentro alla problematica non sa chi sia. Grazie e saluti M.

  • Franco Panzeri

    Franco Panzeri 08/12/2017 18:25:18

    FN sta per Fahrplan und Netzdesign, ossia Orario e Design della rete. Semplicemente. Saluti.

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