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Streik bei der Langensee-Schifffahrt

Der Streik wurde erfolgreich beendet!

Die Gewerkschaften SEV, Unia und OCST, die die Belegschaft der NLM vertreten, teilen mit, dass der Streik beendet wurde und die Arbeit am Samstag, 15. Juli wieder aufgenommen wird. Die Streikenden hatten die folgenden Forderungen gestellt: Weiterbeschäftigung der 34 Angestellten durch das neue Konsortium SNL; Beibehaltung der gegenwärtigen Pensionskasse der Fart; Beibehaltung der gegenwärtigen Löhne (für die Dauer von einem Jahr); Verhandlungen für einen neuen GAV für das Jahr 2019. Alle diese Forderungen wurden gestern Freitag erfüllt.

Montag, 17. Juli

Im Zentrum des Konflikts mit der NLM stand der Wert der Arbeit und derer, die sie Tag für Tag kompetent und professionell ausführen. Der Streik wurde dank einer Vereinbarung zwischen dem Kanton Tessin, der als Mediator fungierte, den drei Gewerkschaften und der Stadt Locarno nach zwanzig Tagen beendet. Die Vereinbarung wurde am Samstag, 15. Juli, den Medien präsentiert.

Die NLM-Mitarbeitenden auf dem Schweizer Seebecken wurden von ihrem Arbeitgeber durch ihre kollektive Entlassung gedemütigt und einfach vom Spielbrett gefegt wie anonyme Spielfiguren, um dem neuen Konsortium freie Bahn zu gewähren. Doch die Mitarbeitenden treten gestärkt aus diesem 20-tägigen Streik hervor, auch wenn sie müde und erschöpft sind. Nicht ohne Grund sprachen die Gewerkschaftssekretäre Angelo Stroppini (SEV), Lorenzo Jelmini (OCST) und Gianluca Bianchi (Unia) von einem Kampf mit hohem symbolischem Wert, der anderen als Beispiel dienen wird.

Unter dieser ersten Phase des Konflikts steht jetzt ein Schlussstrich, doch nun beginnt eine neue: Das Konsortium, das die Anstellungs- und Lohngarantien der Angestellten, die durch den Kanton und die Stadt Locarno garantiert sind, gewähren soll, muss zuerst einmal zusammengestellt werden. Danach muss ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ausgehandelt werden – dies setzt der Kanton voraus. In der Fortsetzung des Konflikts werden die drei Gewerkschaften SEV, Unia und OCST weiterhin eng zusammenarbeiten, denn im Zentrum stehen immer ausschliesslich die Interessen der Angestellten. Doch noch wichtiger als eine geschlossene gewerkschaftliche Front ist die Einheit der Arbeiterinnen und Arbeiter, die trotz Erniedrigungen entschlossen und voller Mut waren.

Die Angestellten kennen den See wie ihre Handtasche; sie sind sehr erfahren in der professionellen Ausführung ihrer Arbeit. Es wäre ein Fehler, ein Zeichen von Kurzssichtigkeit, diese wertvollen Ressourcen in der Zukunft der Schifffahrt auf dem Lago Maggiore nicht einzuplanen. Es wird daher Aufgabe der drei Gewerkschaften sein, dieses Know-how in künftigen Diskussionen zu integrieren, an denen sich auch der Kanton Tessin als Vermittler und als Garant beteiligen wird. Die Gewerkschaften bleiben aufmerksam.

Lorenzo Jelmini hat die politische Dimension des Konflikts betont: «Der Streik ist eine legitime Waffe, die in der Schweiz gesetzlich verankert ist und auf diese Waffe wurde zurückgefriffen, weil die Angestellten mit dem Rücken zur Wand standen. Einen solchen Umgang haben die Angestellten nicht verdient. Mit dem Streik haben sie auch ihre Löhne verteidigt, mit denen sie und ihre Familien in diesem Kanton leben. Es ist überraschend, dass nur eine einzelne Gemeinde, nämlich Locarno, Verantwortung übernommen hat und mit dem Staatsrat eine nachhaltige Lösung des Konflikts zu finden versuchte.»

Gianluca Bianchi fasst die Einstellung der Belegschaft treffend zusammen: «Die 34 Seefahrer mit ihren 34 Herzen voller Mut haben diesen schwierigen Kampf gewonnen, weil sie so mutig und entschlossen waren.»

Dienstag, 11. Juli

Heute Dienstag, 11. Juli, überreichte die Belegschaft dem Tessiner Regierungspräsidenten Manuele Bertoli in der Staatskanzlei 13'451 Unterschriften aus der ganzen Schweiz. Die Petition "Lago Maggiore: Arbeitsstellen erhalten und den service public retten!" genoss breite Unterstützung von der Bevölkerung wie auch von Touristinnen und Touristen.

Freitag, 7. Juli

Gestern Donnerstag gab es ein Treffen mit dem Staatsrat. Das Treffen war ein Schritt auf dem Weg zu einer Lösung des Konflikts. Die Streikenden und die Gewerkschaften konzentrieren sich auf den Erhalt der Arbeitsplätze und darauf, das Konsortium, das die Schifffahrt auf den Tessiner Seen ab 2018 betreiben wird, zu GAV-Verhandlungen zu verpflichten. Zudem fordern sie den Erhalt der aktuellen Lohn- und Arbeitsbedingungen. Der Kanton Tessin ist unter Druck, deshalb ist eine gewisse Strenge unerlässlich. Der Streik wird am Freitag fortgesetzt.

Mittwoch, 5. Juli

Die Petition "Arbeitsstellen erhalten und den Service public retten" erfährt lebhafte Unterstützung. Bis jetzt wurden über 5000 Unterschriften gesammelt; sie werden am Dienstag, 11. Juli der Staatskanzlei überreicht. Die Personalversammlung der NML hat entschieden, den Streik heute Donnerstag fortzusetzen. Bis heute ist keine Lösung des Konflikts in Sicht, der am 25. Juni mit der Massenentlassung von 34 Angestellten, die auf dem Schweizer Becken des Langensees arbeiten, begann.

Dienstag, 4. Juli

Während verschiedene Gemeinden und touristische Organisationen einen offenen Brief geschrieben haben, um an das Gewissen der Angestellten zu appellieren, unterstützen Schwimmer/innen das Personal, das seit dem 25. Juni streikt. So schwammen sie im Langensee auf dem Kurs des Fährschiffes "Verbania", sodass dieses langsamer vorankam - wie es am Sonntag auch Personen auf Pedalos getan hatten. Die "Verbania" bedient von Italien aus das Schweizer Seebecken, um die Streikbewegung zu umgehen, und zwar mit Sonderbewilligung vom BAV.

Montag, 3.Juli

Am 3. Juli, nach bereits neun Tagen Streik, haben die Angestellten ihre Forderung nach Weiterbeschäftigung der bisherigen Belegschaft zu den geltenden Bedingungen, bekräftigt. Sie haben den Gewerkschaften ein neues Mandat erteilt, nämlich vom Staatsrat zu verlangen, weitere Möglichkeiten ausserhalb der neuen Organisation vertieft zu prüfen, zuallererst eine Übernahme und einen Weiterbetrieb durch die FART (Regionale Eisenbahn und Autobusse des Tessins).

Im Verlauf der Personalversammlung hat sich mehr als ein Angestellter, eine Angestellte gefragt, warum der Tessiner Staatsrat auf die neue Organisation setzt, ohne Personal und Gewerkschaften mit einzubinden. Mit ihrer Kenntnis der lokalen Verhältnisse hätten sie zielführende Ideen einbringen können. Dann wäre man jetzt an einem andern Ort und müsste sich über die Undurchsichtigkeit wundern, die die neue Organisation umgibt. "Das Desinteresse der zuständigen kantonalen und eidgenössischen politischen Stellen ist bedenklich. Statt alles zu tun, um aus der ungemütlichen Situation einen Ausweg zu finden, finden sie immer weniger tragfähige Antworten", sagt SEV-Gewerkschaftssekretär Angelo Stroppini. "Wir werden weiterhin alles tun, um das Schweigen zu brechen und der Stimme des Personals, das mit grosser Würde kämpft, Gehör zu verschaffen", fügt Enrico Borelli, Regionalsekretär der UNIA, an. "Unsere Aufgabe als Gewerkschafter ist es, alle Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen", fügt Graziano Cerutti von der Ocst an.

Ein Brief an die Adresse des Staatsrats zielt in die gleiche Richtung. Er fordert in erster Linie eine Annäherung an die FART, mit der bereits eine Zusammenarbeit bei der Pensionskasse besteht. Seit er existiert, arbeitet das Personal der NLM auch unter dem GAV FARTNLM. Auch bei der Lohnentwicklung gibt es seit Jahren eine enge Zusammenarbeit.

Während der Versammlung haben die Streikenden ihre Vorbehalte gegenüber dem Betreiben der Schifffahrt auf dem Schweizer Becken des Langensee durch die SNL, die Schifffahrtsgesellschaft des Luganersees, geäussert. Das Personal hat den Eindruck, dass der Betrieb auf den Tessiner Seen privatisiert werden soll, was vor allem Unsicherheit mit sich bringt. "Wer garantiert uns, dass sich die SNL nicht nach ein paar Jahren aus dem Langensee zurück zieht, weil dieser zu wenig rentabel erscheint?", wurde an der Versammlunge gefragt. Die Übernahme des GAV durch die SNL sichert nichts. Die SNL will freie Hand bei den Anstellungsbedingungen. 

Die Unterschriftensammlung für die Petition geht unterdessen weiter; bereits haben 3000 Personen unterzeichnet.

Sonntag, 2. Juli

Am letzten Sonntag, dem 2. Juli, haben die Streikenden das Schiff «Verbania» mithilfe von Pedalos und Fischerbooten gestoppt. Die Schifffahrtsgesellschaft wollte mit dem in Italien gestarteten Schiff das seit dem 25. Bestreikte Schweizer Seebecken bedienen lassen, dies mit einer ausserordentlichen Bewilligung des Bundesamtes für Verkehr.

Die Spannung steigt, am Samstag hat eine Unterstützungskundgebung stattgefunden und eine Petition zugunsten der Streikforderungen wurde innerhalb weniger Tage von mehr als 2000 Personen unterzeichnet.Die Gewerkschaften SEV, Unia und OCST, die die von der Massenentlassung betroffenen 34 Angestellten unterstützen, haben das Verhalten des BAV aufs Schärfste verurteilt. «Dieses hat vor einem halben Jahr einer Konzession zugestimmt, die die jetzigen Entlassungen erst möglich machte. Die jetzige ausserordentliche Konzession unterläuft den Streik. Das ist schändlich, im Blick ist nur die Schifffahrt auf dem Langensee, nicht die Lösung des Konflikts, in dem das BAV selber Partei ist», sagt SEV-Gewerkschaftssekretär Angelo Stroppini.
«Absolut unzulässig», ergänzt Unia-Regionalsekretär Enrico Borelli, «wenn man daran denkt, dass das Streikrecht von der Bundesverfassung garantiert wird. Es ist ein unabdingbares Recht der Arbeitnehmer/innen, die für ihre Arbeitsplätze und ihre Würde kämpfen. Die Interessen des Tourimus und die Rechte der Personals dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.» OCST-Vertreter Graziano Cerutti unterstreicht die Notwendigkeit der Aktion. “Es ist ein starkes Zeichen, dass die Würde der Arbeiter und Arbeiterinnen nicht mit Füssen getreten werden darf.” Die Entschlossenheit der Streikenden ist ungebrochen. Sie haben der Fortsetzung des Streiks zugestimmt.

Samstag 1.Juli

Die heutige Solidaritätskundgebung am Ufer des Langensees zugunsten der streikenden Angestellten der NLM war ein grosser Erfolg. Die an der Demonstration Teilnehmenden, zu denen auch aus Italien und der Deutschschweiz und der Romandie Angereiste gehörten, haben ihre Hochachtung vor dem Widerstandswillen der Streikenden ausgedrückt. Diese protestieren seit Sonntag, 25. Juni auf diese Weise gegen die Massenentlassung.

Der Streik wird am Sonntag fortgeführt, so beschloss es die Versammlung der Arbeitnehmenden, die die Stellungnahme der Kantonsregierung als ungenügend beurteilt. Die Weiterbeschäftigung aller Entlassenen zu den bisher gültigen Arbeitsbedingungen bleibt die wichtigste Forderung.

Die Versammlung, an der auch ein Kapitän vom Bodensee teilgenommen hat, hat auch verlangt, dass am Sonntag, 2. Juli, kein Schiff von Italien nach Ascona, Porto Ronco und die Isole die Brissago verkehrt, seien es Kursschiffe oder Fahrten des Ersatzdienstes.

Die Gewerkschaften drücken ihre Bewunderung für die von den Streikenden gezeigte Kraft aus. Die gegen die Angestellten gerichteten Provokationen liefen ins Leere. In der Zwischenzeit suchen die Gewerkschaften nach konkreten und tragfähigen Lösungen.

Freitag 30.Juni

«Nehmt die Arbeit wieder auf, denn euer Streik schadet uns». So könnte man die Kernaussage der Mitteilung der NLM-Direktion an das streikende Personal und an die Gewerkschaften zusammenfassen. Dabei sind nicht die Angestellten für die aktuelle Situation verantwortlich.

Das Personal hat die Aufforderung der Direktion an der Personalversammlung am fünften Streiktag analysiert und ihre eigenen Forderungen erneut bekräftigt: Sie werden erst dann wieder arbeiten, wenn klare Garantien bezüglich Arbeitsstellen und -bedingungen auf dem Tisch liegen. Sobald die NLM eine offizielle Partnerschaft mit der Unternehmung eingeht, welche die Schifffahrt auf den Tessiner Seen in Zukunft betreiben wird, muss sie Verantwortung übernehmen und die Forderungen ihres Personals an den richtigen Stellen einbringen. «Vom entlassenen Personal zu verlangen, einfach wieder zu arbeiten, wie wenn nichts gewesen wäre, ist fragwürdig. Und es ist ein falscher Vorwand», kommentiert SEV-Gewerkschaftssekretär Angelo Stroppini.

Lösung erwünscht

Alle 34 aktiven,  auf dem Schweizer Seebecken des Lago Maggiore angestellten Mitarbeitenden der NLM sind am Sonntag, 25. Juni, in den Streik getreten, um gegen ihre kollektive Entlassung auf Ende Jahr zu kämpfen. Dies ist die Ausgangslage. Nun geht es darum, eine Lösung zu finden, und zwar im Interesse der Angestellten, ihrer Arbeitsplätze, des Service public und des Tourismus. « Personal und Gewerkschaften sind die ersten, die sich eine Lösung des Konflikts wünschen. Deshalb verlangen sie von allen involvierten politischen und privaten Akteuren, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen», sagte Enrico Borelli, Regionalsekretär der Unia.

«Die Gewerkschaften sind sich vollkommen bewusst, dass diese delikate Situation internationale Konsequenzen haben kann», fügte Angelo Stroppini hinzu. Aus diesem Grund fordern Personal und Gewerkschaften die Direktion der NLM dazu auf, den Konflikt beim italienischen Departement für Infrastuktur und Verkehr zu erklären, sodass dieses seinerseits die zuständigen Personen beim Bund kontaktiert.

Die Gewerkschaften erklären sich bereit, eine Lösung zu finden, jedoch immer mit Blick auf die Zukunft der Entlassenen und deren Familien. «Ihnen ist die Demonstration am Samstag um 14 Uhr am Schiffsteg von Locarno gewidmet, sowie auch all denjenigen, die überzeugt sind, dass Arbeit ohne Rechte und Würde nicht existieren kann», schlossen die beiden Unia-Vertreter Enrico Borelli und Gianluca Bianchi.

Heute Donnerstag konnte die streikende Belegschaft eine Delegation der italienischen Gewerkschaften CGIL, CISL und UIL begrüssen.

Der Streik wird am Freitag fortgeführt.

Für weitere Auskünfte:
Angelo Stroppini, SEV           079 479 05 63
Gianluca Bianchi, Unia          079 786 78 10
Graziano Cerutti, OCST        078 889 65 60


Streiktag 4, Mittwoch 28. Juni

Auf einem unübersehbaren Transparent steht geschrieben: Der Kampf geht weiter, und auch die Solidarität lässt nicht nach. So ist die Stimmung am 4. Streiktag, dem Mittwoch 28. Juni, in Locarno – am schweizerischen Seebecken des Lago Maggiore. Vor dieser Kulisse arbeiten die Gewerkschaften, die immer zu Gesprächen bereit sind, hart, um eine Lösung im Konflikt bei der Navigazione Lago Maggiore (NLM) zu finden. Das Personal setzt den Streik fort und hat eine Petition zur Unterstützung lanciert.

Die Angestellten haben entschieden, weiterhin zu streiken, um ihre Arbeitsplätze und ihre Würde zu wahren. Heute wurde eine Petition lanciert, in der das entlassene Personal verlangt, dass es berücksichtigt wird im Rahmen der ab 2018 geplanten neuen Organisation der Schifffahrt auf dem Langensee. 

Zudem fordert die Petition vom Kanton Tessin, alle Anstellungen zu garantieren und die aktuellen Vertragsbedingungen zu erhalten.

Wer die Petition unterschreibt, fordert nicht nur eine Verbesserung der touristischen Leistungen, sondern auch den Erhalt des Service public – inklusive Winter! Für Samstag, 1. Juli, 14 Uhr ist in Locarno (am Schiffssteg) eine Demonstration geplant. Kommt in grosser Zahl, um die Kolleginnen und Kollegen der NLM zu unterstützen! Es geht nicht nur um die NLM, sondern auch um die Arbeitsbedingungen bei der Luganersee-Schifffahrtsgesellschaft und grundsätzlich um die Arbeitsbedingungen auf den Grenzseen und allgemein in den Grenzgebieten der Schweiz!


Streiktag 3, Dienstag 27. Juni

Nach drei Tagen Streik geht die Bewegung auf dem Langensee weiter. Das haben die entlassenen 34 Mitarbeitenden der Navigazione Lago Maggiore (NLM) am Dienstag entschieden. Die Antworten, die ihnen der Staatsrat bei einem Treffen am Montagabend in Locarno gab, waren unbefriedigend, von Garantien für die Entlassenen keine Rede. Am Samstag findet in Locarno eine Demonstration statt.

Einladung zur Demo vom Samstag, 1. Juli, 14 Uhr in Locarno (Download PDF - 0,8 MB)

«Ich bin zutiefst empört!» sagt Schiffsführer Marc Formosa, Präsident der SEV-VPT-Sektion Lac Léman, vor den versammelten Streikenden in Locarno. «Ich bin hier bei euch im Tessin, um euch der Solidarität eurer Kollegen und Kolleginnen auf dem Genfersee zu versichern, und um bei euch zu sein bei eurem vorbildlichen Kampf. Denn diese kollektive Entlassung trifft vor allem euch und eure Familien. Aber sie ist auch ein Angriff auf den Service public.» Die Streikenden applaudieren lange. Sie schätzen den Besuch einer Delegation von SEV-Kollegen der Westschweizer Seen sehr.

Treffen lässt viele Fragen offen

Die Streikenden bilanzierten an einer Medienkonferenz das Treffen vom Montagabend in Locarno zwischen Vertretern der Entlassenen und der Gewerkschaften SEV, Unia und OCST mit dem Präsidenten des Staatsrats, Manuele Bertoli, und Staatsrat Claudio Zali. «Das Treffen hat uns sehr enttäuscht», erklärten Angelo Stroppini, Gewerkschaftssekretär SEV, und Enrico Borelli, Kantonalsekretär Unia. «Wir hörten zu, was die Tessiner Kantonsregierung uns zu sagen hatte, und mussten feststellen, dass vor allem sehr wenig klar ist.» Die OCST-VertreterLorenzo Jelmini und Graziano Cerutti teilten diese Einschätzung voll.

«Die Regierungsvertreter sagten uns, dass auf dem Lago Maggiore künftig ein Konsortium von NLM und SNL (Luganersee-Schifffahrtsgesellschaft) tätig sein soll, und dass die Qualität des Angebots für die Schiffsbenutzerinnen, insbesondere die Tourist/innen, verbessert werden soll. Und sie sagten, die NLM habe die Strukturen und die SNL das Know-how. Doch alles blieb auf einer sehr abstrakten Ebene, und wir können kaum nachvollziehen, wie in Zukunft das gleiche Angebot wie heute sichergestellt werden soll, vor allem im Winter», unterstrich Angelo Stroppini. «Das einzige Konkrete ist bisher die Entlassungen der 34 NLM-Angestellte im Schweizer Seebecken.» Die drei Gewerkschaften erwarten vom Staatsrat, dass er sich für die Entlassenen und ihre Familien wirklich einsetzt.

Präsentation des Konsortiums NLM/SNL auf Juli vorverschoben

Die Gewerkschaftsvertreter machten auch darauf aufmerksam, dass die Präsentation des Konsortiums ursprünglich für Ende Jahr angekündigt worden war, dann auf September vorverschoben wurde und nun, nach zwei Tagen Streik, plötzlich für Ende Juli angekündigt wird.

Die Gewerkschaften sind sich durchaus bewusst, dass die Situation schwierig ist und in den betroffenen privaten Unternehmungen und Behörden auf verschiedenen Ebenen diverse Akteure interagieren. Doch für die Gewerkschaften und das Personal  bleiben die von Anfang an genannten Forderungen zentral : ein sicherer Hafen für die entlassenen Mitarbeitenden mittels Aufrechterhaltung ihrer Stellen und Beibehaltung ihrer bisherigen, vertraglich garantierten Anstellungsbedingungen, inklusive Lohn. Diese Forderungen wurden von der Personalversammlung  am Dienstag einmal mehr einstimmig bekräftigt. Und eben auch die Fortsetzung des Streiks.

Die streikenden Mitarbeiter/innen der NLM erhielten auch am Dienstag viele weitere Solidaritätsbotschaften aus der ganzen Schweiz, darunter auch eine aus dem SBB-Werk in Bellinzona. Die Mitarbeitenden der Officine sichern ihren Kollegen und Kolleginnen bei der Tessiner Schifffahrt ihre volle Unterstützung zu.

In den nächsten Tagen wird eine Petition lanciert, und am kommenden Samstag, 1. Juli, findet in Locarno eine Demonstration statt . Weitere Vorstösse und Aktionen sind geplant.


Streiktag 2, Montag 26. Juni

«Wir sind geeinter als je zuvor, wir halten zusammen und sind bereit, die Arbeit weiterhin zu verweigern, um unsere Forderungen zu erreichen», erklärt ein Schiffsmann in der Sommerhitze des zweiten Streiktags bei der Navigazione Lago Maggiore (NLM) entschlossen. Die Personalversammlung, die diesen Montagnachmittag um 13 Uhr 30 am Schiffssteg in Locarno stattfand, hat die Fortsetzung des Streiks beschlossen.

Die Solidaritätsbekundungen seitens der Öffentlichkeit und der Arbeitskolleg/innen von zahlreichen anderen Seen in der Schweiz haben heute Montag die Entschlossenheit der LNM-Mitarbeitenden weiter gestärkt. Bei ihrem Arbeitskampf werden sie von den Gewerkschaften SEV, Unia und OCST unterstützt.

Der Dialog mit den Verantwortlichen von LNM, Kanton Tessin und Bund bleibt offen, zwischen den Parteien sind Gespräche im Gang. Doch die Arbeitnehmerseite ist fest entschlossen, die Arbeitsplätze und die aktuell geltenden Anstellungsbedingungen zu verteidigen.

Heute Abend um 18 Uhr im Gemeindesaal in Locarno wird eine Delegation von Gewerkschaftsvertretern und NLM-Mitarbeitenden mit Vertretern des Tessiner Staatsrats zusammentreffen.

«Alle Entscheidungen werden von den Mitarbeiter/innen gemeinsam getroffen», betonten an der heutigen Personalversammlung Angelo Stroppini, Gewerkschaftssekretär SEV, Enrico Borelli, Kantonalsekretär der Unia, und Graziano Cerutti von der Gewerkschaft OCST. «Ziel bleibt die Suche nach einer Lösung.»

Graziano Pestoni, Präsident des Gewerkschaftsbundes Ticino e Moesa, überbrachte dessen Solidaritätsbotschaft und erklärte: «Dieser Arbeitskonflikt zeigt einmal mehr, dass nur noch das Geld zählt und nicht mehr die Menschen.»

Die streikenden NLM-Mitarbeitenden am Montag in Locarno.

Einladung zum Grillfest:
Für morgen Dienstag Abend ab 19 Uhr laden die Streikenden die ganze Bevölkerung und die Tourist/innen – die sich bisher sehr verständnisvoll und solidarisch gezeigt haben – zu einem Grillfest am Schiffssteg in Locarno ein.

Für weitere Auskünfte:
Angelo Stroppini, SEV           079 479 05 63
Gianluca Bianchi, Unia          079 786 78 10
Graziano Cerutti, OCST        078 889 65 60


Streiktag 1, Sonntag 25. Juni

Es gibt Tage, wo Bilder wichtig sind – wie am letzten Sonntag, als bei der Langensee-Schifffahrt der Streik begann. Die Momentaufnahmen zeigen Sorge, Komplizenschaft und Austausch – ja, denn die Streikenden erhielten von Turist/innen, Tagesausflüglern und Einheimischen bewegende Zeichen von Mitgefühl und Unterstützung. Und aus der ganzen Schweiz eilten Gewerkschaftskolleg/innen den Entlassenen in ihrer Not zu Hilfe. Diese Anteilnahme war für die Streikenden enorm wichtig.

Fotos: Françoise Gehring und TiPress (erstes Bild)

Am ersten Streiktag war die Stimmung gut und konstruktiv, denn die Aktion stiess bei den allermeisten Passagieren und Touristen auf grosses Verständnis. Viele trugen sich in die «Solidaritätsbücher» ein und taten so ihre Unterstützung kund. Auch die Bevölkerung ist aufgerufen, sich solidarisch mit den Streikenden zu zeigen und sich an den Aktionen am Debarcadero in Locarno zu beteiligen.

Mitarbeitende vor den Kopf gestossen

An der Medienkonferenz am Sonntagmorgen zeigten die Vertreter der drei Gewerkschaften auf, warum es zum Streik gekommen ist: «Wir haben nach der Entlassung der 34 Mitarbeitenden der NLM bei deren Verantwortlichen, beim Kanton und beim Bundesamt für Verkehr (BAV) interveniert, aber keine konkreten Antworten erhalten», erklärte SEV-Gewerkschaftssekretär Angelo Stroppini. «Die 34 entlassenen Kolleginnen und Kollegen, die alle im Tessin wohnen, haben am Freitagabend den Streik beschlossen, um ihre Rechte und Würde zu wahren. Alle zusammen wollen sie geschlossen für ihre Zukunft kämpfen.»

Enrico Borelli, Kantonalsekretär der Unia Tessin, bekräftigte: «Auch die drei betroffenen Gewerkschaften sprechen mit einer Stimme, denn gemeinsam sind wir stärker. Nur zusammen können wir diesen Kampf gewinnen». Leonardo Matasci von der christlich-sozialen OCST unterstrich ebenfalls, wie wichtig es ist, in der Not zusammenzustehen.

Die Not der 34-NLM-Mitarbeitenden ist gross, denn ihre berufliche Zukunft ist absolut ungewiss: «Das Einzige, was sicher ist für uns, ist unsere Entlassung, der Verlust unserer Stellen», sagten mehrere Kollegen. Sie fühlen sich entsprechend vor den Kopf gestossen.

Unmögliche Situation

«Wir sind hier, um euch zu begleiten und zu unterstützen, denn ein Streik ist keine einfache Sache», erklärte Giorgio Tuti, Präsident SEV. Anwesend waren auch Vizepräsidentin Barbara Spalinger und Vizepräsident Manuel Avallone. «Ohne Rücksicht auf euch und eure Familien hat man euch in diese unmögliche Situation gebracht. Wer hier verantwortlich ist, soll diese Verantwortung gefälligst auch wahrnehmen!», hielt Tuti unter Applaus fest.

Am Nachmittag beschloss die Versammlung der Streikenden einstimmig, auch am Montag, 26. Juni weiterzustreiken. Zugleich bekräftigten sie ihre Bereitschaft zum Gespräch über konkrete Lösungen, auch wenn sie willens sind, für ihre Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen zu kämpfen.


Streikbeschluss am Freitag, 23. Juni

Am Freitagabend um 21 Uhr 26 beschloss die Versammlung der im Schweizer Teil des Langensees tätigen Angestellten der Navigazione Lago Maggiore (NLM) einstimmig, ab Sonntag, 25. Juni, 10 Uhr in den Streik zu treten. Die erhobenen Hände bedeuteten ein klares Nein zur Gefährdung ihrer Arbeitsverhältnisse – ein starker, mutiger Entschluss im vollen Bewusstsein, worum es geht: um nichts weniger als um sämtliche Stellen der NLM für die Linienschifffahrt im Schweizer Seebecken. Alle betroffenen 34 Angestellten sind Mitte Juni per Ende Jahr kollektiv entlassen worden.

Auf dem Spiel stehen aber nicht «nur» 34 Stellen, sondern auch die Zukunft der Familien der Entlassenen, deren Rechte als  Arbeitnehmende, ihre Würde, der Wert ihrer Arbeit und der von ihnen professionell erbrachte Service public im Dienste aller, wohlverstanden: Anwohnerinnen und Touristen, regelmässige und gelegentliche Nutzer/innen der NLM-Schiffe.

Nachdem die NLM-Leitung am 13. Juni Sozialpartner und Personalkommission mit der Entlassung der 34 Angestellten konfrontiert hatten, hatten diese trotzdem noch über eine Woche lang weitergearbeitet, jedoch Buttons mit der Aufschrift «Ich bin entlassen worden» getragen und an die Passagiere Flugblätter verteilt, um sie auf die schwierige Situation aufmerksam zu machen. Zahlreiche Fahrgäste zeigten Mitgefühl und trugen sich in die Solidaritätsbücher ein, die auf den Schiffen und Stegen auflagen.

«Bei der Planung des Streiks nahmen die Mitarbeitenden darauf Rücksicht, dass am Samstag ein Sportevent angesagt war und auf dem See eine Hochzeit stattfand, die nicht durch einen Arbeitskampf ruiniert werden sollte», betont Angelo Stroppini.

Vergebliche Interventionen

In der vergangenen Woche suchten SEV, Unia und OCST den Kontakt mit der Direktion der NLM, dem BAV und der Tessiner Regierung, aber eben ohne konkrete Ergebnisse. Diese Kontakte müssen nun mit Entschlossenheit weitergeführt werden. «Es geht nicht darum, jemandem die Schuld zuzuschieben», sagt Stroppini dazu, «aber es braucht den Beitrag aller, damit eine Lösung für die betroffenen Mitarbeitenden zustande kommt». Borelli weist darauf hin, dass alle drei Akteure bisher ohne Rücksicht auf das Personal gehandelt haben.

Ganz oben steht eine ministeriale Vereinbarung zwischen der Schweiz und Italien, die die Qualität der Leistungen auf dem Lago Maggiore angeblich erhöhen will. Es gab Arbeitsgruppen, die offenbar sehr ins Detail gegangen sind – allerdings jeweils unter Auslassung der Personalfrage.

«Verbesserungen» auf Kosten des Personals?

Die auf Anfang Jahr erneuerte Konzession des Bundes sieht eine Zusammenarbeit zwischen der NLM und der Luganersee-Schifffahrtsgesellschaft (Società Navigazione del Lago di Lugano, SNL) vor. 

Vor Kurzem haben die beiden Schiffsgesellschaften in einer Medienmitteilung angekündigt, dass ein gemeinsames «Konsortium» angedacht sei – allerdings ohne jeden Hinweis darauf, ob man daran gedacht hat, was dann mit dem Personal geschehen soll. Und natürlich auch ohne jede vorgängige Diskussion mit den Angestellten oder den Sozialpartnern. Ziel sei, das Angebot an Schiffsverbindungen auf den Seen dank der Kompetenz beider Unternehmungen und dank der Nutzung von Synergien zu verbessern. Soweit die Absicht.

Doch die einzige konkrete Aktion war bisher der blaue Brief an sämtliche schweizrischen Angestellten der NLM per 1. Januar 2018 vor. Diese haben in einer solchen Situation nichts mehr zu verlieren und riefen deshalb den Streik aus.

Die SNL ihrerseits hat diesen Frühling ihren GAV gekündigt und die Verhandlungen über die GAV-Erneuerung abgebrochen ...


SEV-Mitteilung vom 16. Juni

Angemessene Reaktion des Personals

Die Gewerkschaften SEV, Unia und OCST haben am 16. Juni mit den Mitarbeitenden der NLM eine Versammlung durchgeführt. Die Mitarbeitenden machen sich grösste Sorgen um die Zukunft ihrer Stellen und ihrer Familien. 

Das Personal fordert

  • von der Direktion der NLM den Rückzug der Kündigungen;
  • vom Bundesamt für Verkehr präzise Garantien zur soeben erneuerten Konzession;
  • von der kantonalen Politik vollen Einsatz für den Erhalt der aktuell 34 Stellen und der geltenden Anstellungsbedingungen.

Falls bis Freitag, 23. Juni 2017, keine klaren Signale zu diesen Forderungen eintreffen, werden sich die NLM-Mitarbeitenden gezwungen sehen, weitere Schritte zu beschliessen, um ihre Interessen und jene ihrer Familien sowie die Interessen der Allgemeinheit zu verteidigen.

Jetzt Petition unterzeichnen!

Alle Angestellten der Schifffahrt auf der Schweizer Seite des Lago Maggiore haben die Kündigung auf Ende Jahr erhalten. Sie verlangen, dass alle Arbeitsverhältnisse vom Konsortium weitergeführt werden, welches ab 2018 die Schifffahrt auf dem Lago Maggiore übernimmt.

Mit deiner Unterschrift hilfst du einerseits den gekündigten Angestellten und ihren Familien. Aber es geht auch um eine Verbesserung des touristischen Angebots und um die Rettung des bestehenden Service public (auch in den Wintermonaten).

Hier online unterschreiben

Kommentare

  • Bugnon

    Bugnon 20/06/2017 15:27:23

    Pas normal c'est toujours les pauvres ouvriers qui font les frais. Les directeurs bande inccapable parte avec les poches pleines. Salopard.

  • Schwager Roland

    Schwager Roland 21/06/2017 21:19:42

    Das ist eine eklatante Verletzung der Konzession, die der NLM vom BAV sofort entzogen gehört. Eigentlich müsste man Ende Jahr der Gesellschaft die Schiffe konfiszieren und in eine neu zu gründende Schweizer Gesellschaft zu überführen. Der Druck muss gegen das BAV, den Kanton Tessin und das Ente Turistico aufgebaut werden mit dem Ziel, ein langfristiges gutes Angebot auf dem Verbano zu sichern, das dann die Arbeitsplätze garantiert.

  • Masini

    Masini 27/06/2017 14:25:52

    Courage pour votre lutte plus que justifiée... peut on signer une version électronique de votre livre en soutien ?

  • SEV

    SEV 28/06/2017 10:48:12

    On ne peut pas signer le livre de solidarité en ligne par contre vous pouvez nous envoyer un message de solidarité à Enable JavaScript to view protected content. et nous le transmettrons aux grévistes.
    Ce genre de messages leur donne énormément d'énergie.

  • Danielle

    Danielle 28/06/2017 16:02:15

    Que gronde l'indignation des navigants .... qu'ils démontrent au monde la solidarité qui unis les marins, les matelots, les gens de l'eau .... que la justice soit faite pour vous tous et pour les familles. Ce combat n'est pas seulement le votre, il touche chacun de nous. Par ces quelques mots je vous envoie tout mon soutien de femme de marin.
    Forza ragazzi !

  • Sabrina Tessmer

    Sabrina Tessmer 08/07/2017 12:47:43

    Macht weiter so, haltet durch und gebt nicht auf, es wird sie noch teuer zu stehen kommen. Wir stehen hinter euch und in Gedanken neben euch am Lago Maggiore. Nur gemeinsam sind wir stark! Kollegiale Grüsse vom ZPV.
    Sabrina Tessmer
    Vizepräsidentin des Zugpersonalverbandes (ZPV)

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