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Bei Elvetino ist der GAV weiterentwickelt worden – und der Geschäftsleiter wurde entlassen

Grosse Freude, grosse Sorgen

Die Verhandlungen mit Elvetino über eine Weiterentwicklung und Verlängerung des GAV konnten erfolgreich abgeschlossen werden.

Immer wieder Wirbel um Elvetino.

Ein Gesamtarbeitsvertrag ist eine gute Sache. Er bildet eine feste Grundlage der Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer/innen und ist auch die Basis, auf der an Verbesserungen gearbeitet wird.

Die Angestellten der Elvetino sind bei den beiden Gewerkschaften SEV und Unia organisiert. In drei Verhandlungsrunden haben die Vertreter/innen dieser beiden Gewerkschaften die Weiterentwicklung (d.h. Verbesserung) und die Verlängerung (bis mindestens 31.12. 2022) erwirken können.

Die schon im alten GAV vereinbarten jährlichen Lohnerhöhungen werden weitergeführt. Der Monatslohn erhöht sich damit für die bestehenden fest angestellten Mitarbeitenden um 50 Franken (bei Vollzeit); Aushilfen im Stundenlohn erhalten pro Stunde 30 Rappen + Ferienentschädigung mehr.

Ab 2022 keine Löhne mehr unter 4000 Franken

Neu konnten die folgenden Verbesserungen erreicht werden: Die Lohnfortzahlung während der ersten 30 Absenztage bei Krankheit oder Unfall wird von 88% auf 100% erhöht. Der Mindestgrundlohn für Neueinsteiger/innen steigt um 40 Franken. Das bedeutet, dass Elvetino ab 2022 keine Löhne mehr unter 4000 Franken (für ein Vollzeitpensum) bezahlen wird – dies, wohlverstanden, bei 13 Monatslöhnen! Das Dienstaltersgeschenk nach 15 Jahren Betriebszugehörigkeit wird von 50% auf 100% eines Monatslohns erhöht und analog dem Vaterschaftsurlaub gibt es neu einen Adoptionsurlaub. «Erkauft» wurden diese Verbesserungen mit dem Verzicht auf einen Teuerungsausgleich, falls die Teuerung 1% nicht übersteigt. Geregelt wurde auch, dass bei unbezahltem Urlaub kein Anspruch auf Ferien und den 13. Monatslohn besteht und dass zu viel bezogene Ferien bei unterjährigem Austritt eines Mitarbeiters bzw. einer Mitarbeiterin verrechnet werden, sofern diese/r selbst gekündigt hat. Die Zusammensetzung der Personalkommission wird angepasst.

Ein gutes Resultat

Regula Pauli, die von der SEV-Seite aus die Verhandlungen leitete, würdigt das Verhandlungsergebnis gegenüber den Mitarbeitenden so: «Mit diesem Abschluss ist es uns gelungen, in zentralen Themen bedeutende Verbesserungen zu erreichen, etwa die Erhöhung der Lohnfortzahlung. Aber auch die Weiterführung der jährlichen Lohnerhöhungen ist wichtig und gibt euch Stabilität, Sicherheit und auch Wertschätzung für die Leistungen, die ihr tagtäglich im Auftrag von Elvetino erbringt. Dass ein solcher Abschluss erreicht werden konnte, haben wir auch euch zu verdanken, eurem Engagement, eurer Mitgliedschaft und eurem Vertrauen.»

Alles in Frage gestellt?

Doch noch sind Freudentänze verfrüht. Denn vor zehn Tagen hat die SBB in einem dürren Kommunikee bekannt gegeben, dass der bisherige Elvetino-Geschäftsführer Wolfgang Winter per sofort seiner Funktion enthoben und freigestellt worden sei. Interimistisch werde er durch den früheren Leiter SBB-Personenverkehr und Elvetino-Verwaltungsrat Paul Blumenthal ersetzt. Über die Gründe für die Trennung von Winter schwieg sich die Medienmitteilung aus, gesagt wird lediglich: «Die heutige Strategie der Elvetino AG wird weitergeführt.»

Schlimme Befürchtungen

Der SEV und die Unia befürchten, dass die Freistellung von Elvetino-Geschäftsführer Wolfgang Winter für das Personal negative Folgen haben könnte. Besorgt sind die beiden Gewerkschaften vor allem aus zwei Gründen: Das Verhandlungsresultat zum neuen Gesamtarbeitsvertrag ist zwar von den Gremien ratifiziert, aber noch nicht unterzeichnet. Die zweite Sorge ist, dass Elvetino nach Wolfgang Winters Abgang verstärkt Kündigungen aussprechen könnte. Bisher hatte Winter trotz Umsetzung der neuen Catering-Strategie versucht, Kündigungen möglichst zu vermeiden. SEV und Unia erwarten und fordern von Elvetino, dass auch die neue Leitung ihre soziale Verantwortung gegenüber dem Personal wahrnehmen wird. Immerhin hat der SEV in der Zwischenzeit von Arbeitgeberseite positive Signale erhalten, sowohl betreffend GAV-Unterzeichnung als auch betreffend Weiterbeschäftigung der bisherigen Minibar-Angestellten.

Minibar-Personal darf nicht entlassen werden

Denn erst vorletzte Woche hatten die Gewerkschaften an Wolfgang Winter einen Brief geschrieben wegen Anzeichen, dass Elvetino infolge der Anfang 2016 angekündigten Abschaffung der Minibars in den SBB-Zügen auf den Fahrplanwechsel 2017/18 Mitarbeitende entlassen könnte. Dies, obwohl Wolfgang Winter und Elvetino-Verwaltungsratspräsidentin Jeannine Pilloud im Februar 2016 versprochen hatten, dass alle Minibar-Mitarbeitenden ein Angebot für eine neue Stelle erhalten würden.

Druck auf Personal

Zudem haben die Gewerkschaften in den letzten Monaten den Eindruck gewonnen, dass Elvetino ihr Personal bewusst verstärkt kontrolliert und dessen Umsatzzahlen strenger beurteilt, um vermehrt Kündigungen auszusprechen und den Personalkörper schrittweise verkleinern zu können.

Elvetino ist in der Pflicht

Die Gewerkschaften SEV und Unia erwarten von Elvetino, dass sie sich an das im Februar 2016 abgegebene Versprechen hält und allen Minibar-Mitarbeitenden eine faire Chance auf eine Anstellung in einer anderen Funktion gibt.

SEV

An dezentralen Personalversammlungen wird der neue GAV Elvetino vorgestellt. Diese finden wie folgt statt:

Basel, 18. September, Personalkantine der Post «Oase», 17–19 Uhr;
Zürich, 20. September, Personalkantine «Chez SBB», 13–15 Uhr;
Bern,26. September, Restaurant «Côté Sud», 13–15 Uhr;
Brig, 26. September, Stadtbistro, Bahnhof Brig, 17–19 Uhr;
Romanshorn, 9. Oktober, Brasserie Bahnhöfli, 13–15 Uhr;
St.Gallen, 9. Oktober, Migros Restaurant, Bahnhof St.Gallen, 16–18 Uhr.

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