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Die «Uberisierungs»-Seuche greift immer mehr um sich

Faire Arbeit für Velokuriere

«Uberisierung» ist zum Schlagwort geworden für Arbeitsbedingungen, die das Risiko den Angestellten aufbürden.

«Notime»-Fahrer/innen protestieren in Bern, unterstützt von Gewerkschaftsvertreter/innen.

Wer im Anstellungsverhältnis arbeitet, hat Anrecht auf einen Vertrag, auf regelmässige Arbeit und einen regelmässigen Lohn, Ferien, eine Abrechnung der Sozialversicherungsbeiträge, eine Unfallversicherung und Lohnfortzahlung bei Unfall und Krankheit. Immer wieder versuchen Firmen, diese klare Rechtslage zu umgehen, indem sie die Angestellten zu «Selbständigerwerbenden» erklären. Der Velokurierdienst «Notime» ist ein besonders krasses Beispiel für diese Masche.

Der Konflikt zwischen den Velokurier/innen von Notime und dem Unternehmen dauert nun schon zwei Jahre. Die Angestellten wehren sich dagegen, dass sie das Unternehmen als Selbständigerwerbende behandelt. Sie fordern die Bezahlung von Sozialversicherungsbeiträgen für die vergangene Zeit, eine Unfallversicherung sowie die Übernahme der Kosten fürs Rad und fürs Handy. Sie fordern einen Gesamtarbeitsvertrag.

Nur «Einzelgespräche»

Nun ist Notime endlich bereit, auf die Forderungen der Fahrer/innen einzugehen. Wenigstens scheinbar. Zwar sollen jetzt Arbeitsverträge ausgestellt werden, aber Gespräche mit den gewählten Personalvertretern verweigert das Unternehmen – nur Einzelgespräche soll es geben, und im Gegenzug zu den Verträgen sollen die Fahrer/innen auf alle aufgelaufenen Forderungen verzichten.

Kein verlässlicher Partner

Dazu kommt, dass das Unternehmen wiederholt Gespräche kurzfristig platzen liess. Keine gute Voraussetzung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit … Deshalb haben sich die Fahrer/innen entschlossen, ihren Protest öffentlich zu machen, ihn auf die Strasse zu tragen. Sie sind der Meinung, dass der «Uberisierung» Einhalt geboten werden muss und dass sie Anrecht auf faire Arbeitsbedingungen haben.

Die Belegschaft von Notime wird bei ihrem Protest von den Gewerkschaften SEV, Syndicom und Unia unterstützt. Denn mit Unterstützung der Profis verspricht der Konflikt grössere Erfolgschancen.

pan.

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