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Ausschreibung der jurassischen Buslinien

Dumping-Offerten verhindern

Syndicom und SEV haben am Dienstag eine Petition lanciert, um den öffentlichen Verkehr im Kanton Jura vor Dumping zu schützen. Solches droht bei der im kommenden Jahr geplanten Ausschreibung der Buslinien im Jura. Die Gewerkschaften fordern, dass die Ausschreibung mit der Auflage verknüpft wird, mit den Sozialpartnern einen GAV abzuschliessen. Diese Forderung unterstützen auch Vorstösse im Kantonsparlament.

SEV-Gewerkschaftssekretär Jean-Pierre Etique am Mikrofon des Westschweizer Radios.

Die jurassische Regierung hat beschlossen, sämtliche von ihr bestellten Buslinien im Frühling 2018 auszuschreiben. Damit droht Ungemach für die Benutzer/innen, die Bevölkerung und das Personal der Unternehmungen Chemins de fer du Jura (CJ) und Postauto, die bisher je einen Teil der Linien betrieben haben.

Syndicom und SEV arbeiten in dieser Angelegenheit eng zusammen und betrachten es als äusserst wichtig, dass in die Ausschreibung Elemente zum Schutz der Arbeitsbedingungen der Busfahrer/innen aufgenommen werden. «Deshalb verlangen wir, dass Offerten mit der Pflicht verbunden werden, einen GAV auszuhandeln, worin die in der Region üblichen Arbeits- und Anstellungsbedingungen abgebildet sind», erklärt Gewerkschaftssekretär Jean-Pierre Etique, der beim SEV für die CJ zuständig ist. «Ohne diese Garantien laufen wir Gefahr, dass eine Nivellierung der Anstellungsbedingungen nach unten stattfindet.»

Es geht nicht nur um die Löhne

«Auf dem Spiel stehen neben den Löhnen auch die Dienstpläne des fahrenden Personals», präzisiert Jean-Pierre Etique. «Wenn die tägliche Fahrzeit zunimmt, leidet darunter auch die Sicherheit der Passagiere.»

Am selben Strick zieht Syndicom-Regionalsekretär Jean-François Donzé : «Wir rufen die Benutzer/innen, die Bevölkerung und alle Mitarbeitenden von Postauto und CJ auf, für diese Forderung möglichst viele Unterschriften zu sammeln. Es geht um die Qualität der Arbeitsbedingungen und des Angebots.»

Politische Vorstösse

Nicht nur die Gewerkschaften mobilisieren, sondern auch Politiker/innen. Nach der Interpellation unseres Kollegen Vincent Hennin vom PCSI hat im Kantonsparlament nun auch der Abgeordnete Pierluigi Fedele eine Motion der Fraktion von Grünen, Christlichsozialen und Partei der Arbeit eingereicht. «Bei öffentlichen Ausschreibungen ist heute der Preis eines der wichtigsten oder gar das einzige Auswahlkriterium», hält er fest. «Dieser Auswuchs, der nicht nur im Jura zu beobachten ist, steigert den Druck auf dem Arbeitsmarkt und kommt meistens Unternehmungen zugute, die die GAV oder die in der Branche bzw. Region üblichen Anstellungsbedingungen nicht einhalten. Man darf sich keine Illusionen machen: Preisunterschiede von 10%, 20% oder mehr bei einer Offerte sind nur mit Druck auf die Arbeitsbedingungen oder schlechteren Leistungen möglich», sagt Pierluigi Fedele, der das öV-Personal auch als Unia-Regionalsekretär unterstützt.

Der SEV zählt beim Unterschriftensammeln auf seine Mitglieder im Jura.

Vivian Bologna/Fi

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