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Podiumsdiskussion Bildungskurs LPV

Soll eine Gewerkschaft politisch sein?

So lautet die Leitfrage der Podiumsdiskussion vom 21. Oktober. Der LPV hat das Podium im Rahmen eines Bildungskurses zum Thema Politik und Gewerkschaften organisiert.

Nachdem das Thema an den ersten zwei Tagen des LPV-Bildungskurses eingehend behandelt wurde, können bei der Podiumsdiskussion alle mitreden. Die SEV-Werbeverantwortliche Elena Obreschkow leitete das Gespräch zwischen den eingeladenen Gästen.

Auf Arbeitgeberseite ist dies Cheryl Probst, Fachspezialistin Public Affairs bei der SBB. Ihr gegenüber sitzen drei SEV-Vertreter/innen: Barbara Spalinger, Vizepräsidentin SEV, Daniela Lehmann, Koordinatorin Verkehrspolitik, und Hans-Ruedi Schürch, Zentralpräsident LPV. Ihnen bietet Hubert Giger, Präsident VSLF, Paroli.

Kernaufgaben haben Priorität

In diesem Punkt sind sich die Gesprächsteilnehmer/innen einig – die Kernaufgaben einer Gewerkschaft müssen Priorität haben. Diese bestehen darin, die Interessen der Arbeitnehmer/innen zu vertreten und zu verteidigen. Doch dafür gibt es verschiedene Strategien.

So fährt der SEV eine Linie, die zwar parteipolitisch unabhängig, aber dennoch klar politisch ist. «Wir haben einen expliziten politischen Willen», sagt Hans-Ruedi Schürch. Dieser ist es, durch das politische Handeln unsere Arbeitsplätze zu sichern. Aus diesem Grund ist es für Daniela Lehmann denn auch mehr ein Abwägen als ein Entweder-oder: «Eine Gewerkschaft muss immer beides sein, politisch und gewerkschaftlich aktiv. Ich glaube, wir haben im Moment ein gutes Gleichgewicht.»

Hubert Giger hält dagegen, denn er sieht die Gewerkschaften in einer weniger politischen Rolle: «Es ist nicht Aufgabe eines Berufsverbands, den Mitgliedern zu erklären, was sie tun sollen. Wir beschränken uns daher auf die Kernkompetenz der Arbeitnehmervertretung.»

Solidarität und Kompromisse

Cheryl Probst spricht das gemeinsame Interesse der SBB und der Sozialpartner am Erhalt der öffentlichen Gelder für den öV an. In diesem Bereich zeigen sich Arbeitgeber und die Sozialpartner solidarisch.

Für Barbara Spalinger ist die Solidarität ein Schlüsselwort. Sie erklärt, dass die SEV-Mitglieder bei weitem nicht alle gleicher politischer Meinung sind. «Aber einer unserer Grundwerte ist die Solidarität. Deshalb müssen wir Kompromisse eingehen.» Schürch pflichtet ihr bei: «Solidarität ist höchst politisch – man kann nur solidarisch sein, wenn man die Meinung anderer akzeptiert.» So stärkt die Solidarität letztlich auch den politischen Wirkungsgrad des SEV.

Karin Taglang

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