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Zugpersonal bleibt gegenüber dem Swisspass trotz positiver Bilanz der SBB kritisch

Der Swisspass gibt weiterhin zu reden

Die SBB bewirbt ihn als «Schlüssel zur Mobilität», doch viele sehen beim Swisspass rot. Auch das Zugpersonal steht der roten Karte kritisch gegenüber.

Als der Swisspass am 1. August 2015 eingeführt wurde, hatte er zunächst einen schweren Stand. Diverse «Kinderkrankheiten» verärgerten Reisende und das Personal gleichermassen: Bei der Kontrolle gab es technische Probleme, die Datenschutzproblematik wurde «unterschätzt».

«Kinderkrankheiten behoben»

Nach einem Jahr zog die SBB Bilanz und teilte mit, die Startschwierigkeiten des Swisspass seien aus der Welt geschafft worden. Sensible Daten werden nicht mehr gespeichert und die technischen Probleme seien gelöst. Dies mag zwar stimmen, doch Pascal Fiscalini, Vizepräsident des Unterverbands ZPV, führt aus: «Der Kontrollaufwand ist doppelt so gross. In einem vollbesetzten Zug ist es fast unmöglich, alle Reisenden zu kontrollieren.»

Keine Zeit für Kundenservice

Die aufwendige Kontrolle setzt die Zugbegleiter/innen unter Zeitdruck. Darunter leidet der Kundenservice. Das Zugpersonal ist heute für weit mehr zuständig als für die Kontrolle der Billette. Die Zugbegleiter/innen sind die Bezugspersonen der Reisenden. Sie müssen für die Fahrgäste da sein und ihnen kompetente Auskünfte geben können. Einen derart hohen Servicelevel könne man seit der Einführung des Swisspass aber kaum einhalten, so Fiscalini. Es sei denn, es würde mehr Zugpersonal eingestellt. So lautet denn auch die Forderung des ZPV an die SBB.

«Unschöne Diskussionen»

Ein weiterer Stolperstein bei der Kontrolle von Swisspässen ist, dass die Kund/innen ihren Swisspass dem Zugpersonal zur Kontrolle aushändigen müssen. Laut Fiscalini hat das Zugpersonal die klare Weisung, jeden Swisspass bei der Kontrolle in die Hand zu nehmen und so zu scannen. Bei der Einführung des Swisspass vor einem Jahr führte dies zu «sehr unschönen Diskussionen mit den Fahrgästen». So schreibt es Andreas Menet, Zentralpräsident des ZPV, in einer E-Mail an Jeannine Pilloud, Chefin des SBB Personenverkehrs.

Widersprüchliche Aussagen

Nach nun über einem Jahr hätten sich die Reisenden an den Prozess gewöhnt. Doch kürzlich sagte Pilloud gegenüber dem Blick, dass man als Kunde den Swisspass «nicht mehr unbedingt aushändigen» müsse. Gewusst wie, könne man ihn einfach selbst zum Scannen hinhalten. Diese Aussage steht im Widerspruch mit den Auflagen des Zugpersonals. Weitere «unschöne Diskussionen» sind abzusehen.

Karin Taglang

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