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Das Danaergeschenk der BLS

Treu und Glauben verletzt: Der SEV ruft gegen die BLS das Schiedsgericht an

Die BLS «beschenkt» das Personal. Der SEV ruft das Schiedsgericht an, weil die BLS Treu und Glauben verletzt.

Die BLS hat veraltete Vorstellungen von Sozialpartnerschaft.

Seit Anfang 2015 liefen die Verhandlungen der Gewerkschaften mit der BLS über eine Weiterentwicklung des GAV. Der Arbeitgeberseite ging es dabei in erster Linie darum, ein neues Lohnsystem unverändert einzuführen. Als die Gewerkschaften dieses nicht diskussionslos akzeptieren wollten, war der Konflikt programmiert. Schliesslich wurde beschlossen, den alten GAV mit lediglich redaktionellen Anpassungen beizubehalten.

Gibt es doch Spielraum?

Zwischen zwei Lohnverhandlungen kommunizierte die BLS unter dem Stichwort «Zeit für mich–und meine Familie» plötzlich neue Anstellungsbedingungen (siehe Kasten). Da-runter auch eine Verbesserung des Mutterschafts- und des Vaterschaftsurlaubes, beides Punkte, die im GAV geregelt sind. Das Vorgehen, einseitig, ohne mit den Gewerkschaften gesprochen zu haben, Verbesserungen zu verkünden, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Deshalb ruft der SEV das Schiedsgericht an. Die anderen beiden Verbände haben sich angeschlossen. Es geht dabei nicht gegen das patronale Geschenk, sondern gegen die Vorgehensweise der BLS.

Ein Danaergeschenk

Als Danaergeschenk bezeichnet man eines, das für den Empfänger unheilvoll und schadenstiftend ist. So empfinden die Mitglieder der Verhandlungsgemeinschaft auch das Paket «Zeit für mich»: «Die Art und Weise, wie dies jetzt umgesetzt worden ist, irritiert uns nachhaltig und widerspricht jeglichem Verständnis zum Vorgehen nach Treu und Glauben.» Deshalb haben die Arbeitnehmer das Schiedsgericht angerufen. Dieses soll «feststellen, dass die BLS gegenüber den vertragsschliessenden Gewerkschaften mehrfach erheblich gegen Treu und Glauben verstossen hat».

Die BLS sei anzuweisen, «vertrauensbildende Massnahmen zu ergreifen, damit die gestörte Sozialpartnerschaft wieder zum Funktionieren kommt» und die Verbesserungen beim Elternurlaub in den GAV aufzunehmen. Denn solange dies nicht der Fall ist, können sie von der Arbeitgeberseite jederzeit einseitig auch wieder geändert werden. Damit hätte die Arbeitgeberseite ein Pfand in der Hand. Und sie könnte bequem darauf hinweisen, eine echte Sozialpartnerschaft brauche es nicht. Wie gesagt: «Unheilvoll und schadenstiftend» ist das «Geschenk» der BLS für die Angestellten und ihre legitime Vertretung.

pan.

«Zeit für mich»

«Zuverlässig, ambitioniert und sympathisch»: so möchte die BLS gern wahrgenommen wer- den. Deshalb bietet sie den «Mitarbeitenden künftig mehr Möglichkeiten, ihr Beruf- und Privatleben noch besser in Einklang zu bringen. Hierfür besteht nebst dem Angebot zur Teilzeitarbeit die Möglichkeit, zusätzliche Ferien zu kaufen oder in einzelnen Berufsfeldern ein Zeitguthaben für eine persönliche Auszeit anzusparen.

Mütter und Väter profitieren nach der Geburt eines Kindes zudem von einem grosszügigen Urlaub sowie einer individuellen Beratung für die Kinderbetreuung. Ausserdem steht allen Mitarbeitenden bei privaten Herausforderungen auf vertraulicher Basis kostenlos eine externe Beratungsstelle zur Verfügung.»

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