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Branchentagung Bahn des Unterverbands VPT in Neuenburg

Verdeckte Testkund/innen? Wir müssen reagieren!

Branchenpräsident René Tschantz konnte am 3. März auf heimischem Boden bzw. auf «seinem» See über 50 Tagungsteilnehmende begrüssen, die sich durch das schlechte Wetter nicht vom Betreten des LNM-Schiffes abschrecken liessen.

Die Delegierten tagten auf einem Schiff der Schifffahrtsgesellschaft Neuenburger- und Murtensee, die seit letztem Jahr auch einen GAV hat.

VPT-Zentralpräsident Gilbert D’Alessandro bedauerte, dass nicht alle Sektionen vertreten waren. «Wichtig ist aber vor allem, dass die Sektionen funktionieren», meinte er, bevor er auf die Gewalt im öV zu sprechen kam: Er empfahl die Lektüre des Merkblatts «Aggressionen gegen Dienstpersonal» des SEV, das eine Checkliste für Opfer von Angriffen enthält. Weiter bat er alle, dem kommenden SEV-Spendenaufruf zur Finanzierung des Abstimmungskampfes für die AHVplus-Initiative zu folgen. Der Zentralvorstand des VPT hat bereits 1000 Franken dafür gesprochen.

Bald ein Branchen-GAV Cargo?

SEV-Präsident Giorgio Tuti kam auf das Urteil gegen die Dumpinglöhne von Crossrail zurück und kündigte an, die grossen Bahnen zu Verhandlungen für einen nationalen Branchen-GAV einzuladen. Weiter rief er alle auf, im September in Bern an der nationalen Kundgebung für AHVplus und gegen eine Reform, welche die Renten weiter verschlechtert, teilzunehmen.
SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger ist froh darüber, dass der Nationalrat die Reform des Arbeitszeitgesetzes AZG so verabschiedet hat, wie von den Sozialpartnern ausgehandelt. Nun kommt die AZG-Reform in den Ständerat.
Spalinger informierte auch über Differenzen mit der Gewerkschaft Transfair: Der SEV hat deren Leitung in einem Brief sein Missfallen über den verbalen Angriff eines ihrer Vertreter auf einen SEV-Sektionspräsidenten mitgeteilt. Zudem sind dort, wo kleine Gewerkschaften inzwischen weniger als sieben Prozent der Arbeitnehmenden vertreten und damit das Quorum für die Teilnahme an GAV-Verhandlungen nicht mehr erfüllen, die Konsequenzen zu ziehen.

Fragliche Verwendung öffentlicher Gelder seitens BAV

Zudem informierte die SEV-Vizepräsidentin über die Absicht des Bundesamts für Verkehr, die Qualität des öV durch verdeckte Kund/innen erheben zu lassen. Die Versammlung sprach sich gegen dieses Vorgehen aus und für eine starke SEV-Reaktion darauf.
Zum Schluss der Tagung verabschiedeten die Teilnehmenden einstimmig zwei Resolutionen: eine erste gegen die Entlassung des VZO-Kollegen Taglang (siehe Artikel "Doppelte Solidarität mit René Taglang" unter "interne Links") und eine zweite zu Elvetino und zur Abschaffung der Minibars in den Zügen.

Branchenvertreter/innen im Amt bestätigt

Alle sechs Vorstandsmitglieder der Branche Bahn wurden wiedergewählt: René Tschantz, Präsident (TransN), Michèl Jaberg (BLS), Christoph Locher (SOB), Eleonora Wüthrich (Elvetino), Heinrich Disch (MOB) und Andrea Sabetti (FART).

Die vier Vertreter/innen der Branche im VPT-Zentralvorstand wurden ebenfalls wie- dergewählt: Eleonora Wüthrich, René Tschantz, Christoph Locher und Michèl Jaberg.

Neuer Branchenverantwortlicher seitens SEV ist Gewerkschaftssekretär Toni Feuz, nachdem sein Vorgänger Jérôme Hayoz den SEV letzten Herbst verlassen hat.

Die Branchentagung 2017 wird wiederum nicht in Olten statt- finden, doch stehen Ort und Datum zurzeit noch nicht fest.

Henriette Schaffter / Fi

«Ökologische, soziale und wirtschaftliche Notwendigkeiten verlangen die Förderung des öffentlichen Verkehrs»

Für Benoît Gaillard kommt bei der öV-Finanzierung der öffentlichen Hand die Führungsrolle zu. Hinter ihm René Tschantz, Präsident der Branche Bahn.
Benoît Gaillard, persönlicher Berater der Waadtländer Verkehrsdirektorin Nuria Gorrite, war von der Bahnbranche VPT eingeladen worden, über die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs zu referieren. Für ihn ist die Förderung des öV nötig, um die Lebens- qualität zu verbessern, den Treib- hausgas-Ausstoss zu reduzieren, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft nachhaltig zu sichern und den Arbeitnehmenden den Weg zu den Arbeitgebenden zu ermöglichen. Als Beispiel nannte er die Firma Bobst in Lausanne, die einen Beitrag an die defizitäre TL-Linie bezahlt, die ihren Standort erschliesst. Diese Art von privater öV-Finanzierung sei in der Schweiz noch sehr selten, da neben den Nutzer/innen vor allem die öffentliche Hand dafür aufkommt. Es seien zwei Logiken zu unterscheiden, erklärte Gaillard: jene des Service public, die er für den öV befürwortet, und jene der rein gewinnorientierten Dienstleistungen. Erstere wird über das Angebot und das Monopol der öffentlichen Hand gesteuert, letztere durch die Nachfrage und das Spielenlassen des Wettbewerbs.
Er sieht bei der öV-Finanzierung folgende Herausforderungen: Bekämpfung von Abgabenerhebungs- systemen vom Typ Mobility Pricing; Verteidigung der Basisversorgung als einer Stärke der Schweiz; Ver- hinderung von wildem Wettbewerb und Neupositionierung der Schiene gegenüber von Strasse und Flugzeug. Angesprochen auf das Tisa-Abkommen über öffentliche Dienstleistungen gab er sich optimistisch, dass die Gegner/innen Gehör finden würden.  

Hes / Fi

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