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Temporäre bei der SBB: Aussprache bei Petitionsübergabe

Weitere Rauswürfe, kaum Anstellungen

Die Vereinbarung zu den temporär Angestellten bei der SBB bleibt ein Knackpunkt. Der SEV hat eine Petition mit 1100 Unterschriften übergeben, während weitere Betroffene melden, dass sie gekündigt statt angestellt werden.

Cirillo Pompeo, Regionalsekretär Felix Birchler, Darlington Chikwado Etumni, Adam Abdi Dirie, Ramazan Camci und Vizepräsident Manuel Avallone schildern SBB-Personalchef Markus Jordi die Situation mit den Kündigungen der Temporärangestellten; dieser ist begleitet von Eveline Mürner, Leiterin Personalpolitik, und Brigitte Amherd, Kommunikation HR.

Aus der ganzen Schweiz melden sich Betroffene beim SEV, die aufgrund der Vereinbarung zu den temporär Angestellten auf ein Stellenabgebot warten, aber stattdessen die Kündigung erhalten (siehe Dossier in kontakt.sev 13/15). Einer der neuen Fälle betrifft Logistiker in Zürich, wo gleichzeitig neue Leute temporär eingestellt werden, während Kollegen mit über fünf SBB-Jahren gehen müssen.

1100 Unterschriften aus der Ostschweiz

Besonders auffällig sind die Kündigungen bei Wagenreinigern in der Ostschweiz. Dort hat der SEV deshalb eine Petition gestartet, mit der die Wiederanstellung von betroffenen Temporär-Kollegen gefordert wird. Ausschliesslich auf Papier und im Betrieb gesammelt, kamen innert kurzer Frist 1100 Unterschriften zusammen, die eine Delegation des SEV zusammen mit den betroffenen Wagenreinigern am SBB-Hauptsitz in Bern übergeben hat.

Kündigungswelle seit Herbst

SEV-Vizepräsident Manuel Avallone nutzte die Gelegenheit, um den SBB-Personalchef Markus Jordi mit der generellen Kritik an den Kündigungen zu konfrontieren. «Seit im letzten Herbst bekannt wurde, dass es eine Anstellung nach vier Jahren geben soll, läuft eine Kündigungswelle», betonte Avallone.

Adam Abdi Dirie schilderte als Erster, wie er – nach Jahren des Lobs – plötzlich Kritik an seiner Arbeit hörte, die dann sehr schnell zur Kündigung führte; die zweite Verwarnung hatte er erhalten, nachdem er sich gegen eine rassistische Beleidigung gewehrt hatte.

Darin gleichen sich die vier Geschichten: Wie Dirie ging es auch Darlington Chikwado Etumni, Ramazan Camci und Cirillo Pompeo: Plötzlich wurden ihnen kleine Fehler vorgeworfen, die innert kurzer Zeit zur Kündigung führten. Für den 59-jährigen Pompeo sind die Aussichten auf eine neue Stelle äusserst schlecht; und wenn er jetzt auch erst seit zwei Jahren wieder bei der SBB arbeitet, sind sein Alter und eine frühere langjährige Tätigkeit bei der SBB Grund genug, um das Vorgehen infrage zu stellen.

Bei Camci und Etumni ist der Fall glasklar: Der eine arbeitet seit acht Jahren, der andere seit knapp vier Jahren temporär bei der SBB. Hier ging es offensichtlich darum, die Festanstellung zu verhindern.

Neuer Temporär-Vertrag mit neuem Arbeitsplatz

Wie fadenscheinig die Kündigungsgründe sind, zeigt sich am einfachsten am Fortgang der Geschichte von Darlington Etumni: Er meldete sich weiterhin auf Temporärstellen bei der SBB; eine wurde ihm verwehrt, als klar wurde, dass er demnächst unter die Vier-Jahres-Klausel fällt, doch die nächste bekam er – bei Railclean. Nun putzt er Bahnhöfe statt Züge. Eine Festanstellung allerdings erhält er nicht: Railclean ist in der Vereinbarung ausdrücklich ausgenommen …

Peter Moor

Jordi verspricht Aufarbeitung

Bei der Begegnung mit den in St.Gallen abgeschobenen Wagenreinigern hörte SBB-Personalchef Markus Jordi den Betroffenen aufmerksam zu.

In seiner Stellungnahme hielt er fest, dass die SBB ein verlässlicher und sozialer Arbeitgeber ist und bleiben will. Er hob hervor, die Vereinbarung zu den Temporärstellen sei in der Schweiz einzigartig und fortschrittlich, deren Umsetzung entsprechend anspruchsvoll.

Jordi erklärte, die SBB nehme die Kritik des SEV ernst. Sie sei zurzeit daran, sich einen vollständigen Überblick über die temporär Angestellten zu verschaffen; diese seien bisher im Personalsystem nicht erfasst. «Wir wollen uns soweit möglich auch rückblickend einen Überblick verschaffen. Wo in den vom SEV geschilderten Fällen Fehler passiert sind, sind wir bereit, diese zu korrigieren.» Er betonte, «dass die SBB im Umgang mit allen Mitarbeitenden, auch temporären, kein unanständiges Verhalten oder Unrechtmässigkeiten toleriert.»

Gleichzeitig warnte er vor zu grossen Erwartungen: «Kündigungen wegen ungenügender Leistung werden immer vorkommen, und die werden wir auch nicht zurücknehmen.» Ebenso erinnerte er daran, dass für eine Festanstellung die Leistungsanforderungen erfüllt werden müssen, so allfällige Fähigkeitsausweise, aber auch das Gesundheitsattest.

Schliesslich wies die Delegation der SBB darauf hin, dass Stellen frei sein müssten, um Temporären eine Anstellung anbieten zu können (wobei dies in der Vereinbarung nicht enthalten ist). Der SEV verlangt, dass die entsprechenden Stellen geschaffen wer- den müssen, da es für die Arbeit keinen Unterschied macht, ob sie (jahrelang) ein Temporärer oder ein Festangestellter ausführt.

«Wir wollen die Umsetzungsfrist von zwei Jahren nutzen, um die nötige Transparenz zu schaffen und die rechtmässige Umsetzung der Vereinbarung ab 2017 sicherzustellen: Dabei könnt ihr uns beim Wort nehmen», hielt Jordi abschliessend fest.

pmo

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