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Die erste Frauenbildungstagung unter der Ägide von Lucie Waser war ein wahrer Erfolg

Die SEV-Frauen sind sich einig

«Risiko Frausein»: Unter diesem Obertitel stand die Bildungstagung, die die Altersvorsorge auf den Prüfstand stellte. Ein Thema von brennender Aktualität im Moment, da die Parteien zu den bundesrät- lichen Vorschläge zur «Altersvorsorge 2020» Position bezogen haben.

Eine neue Interpretation der alten Abkürzung – die «Vrauen» sind auf dem Weg dorthin.

Entschlossener Gesichtsausdruck, klare Stimme, feuriges Temperament, Begeisterung: Lucie Waser, die das erste Mal am Frauenbildungstag des SEV (am vergangenen 21. November in Bern) dabei war, hat für kämpferischen Geist und gute Stimmung gesorgt. Ganz und gar nicht schüchtern hat sie an dieser Premiere zusammen mit ihrer Assistentin Jris Piazzoli sicher durch den ganzen Tag geführt, der frische Wind wurde von der beeindruckenden Zahl von rund 140 Teilnehmerinnen sichtlich geschätzt.
Pensionierung, Erhöhung des Rentenalters, Flexibilisierung, Renten: sehr viel Wissen ist gefragt, wenn es um die Altersvorsorge geht. Und die verschiedenen Konzepte sind nicht immer leicht zu verstehen. Wie soll man sich auf diesem speziellen Gebiet der Sozialversicherung bewegen? Woher kriegt man die korrekten Informationen? Wie funktioniert die AHV? Welche Risiken birgt das Frausein; («Risiko Frausein» lautete ja der Titel des Tages)?

Auf diese Fragen hat mit grosser Klarheit Christine Goll, geantwortet, Altnationalrätin und Ausbildungsleiterin bei Movendo. Es könnte kein aktuelleres Thema geben, nachdem sich Parteien und Gewerkschaften zum bundesrätlichen Reformpaket «Altersvorsorge 2020» haben vernehmen lassen.

Und es könnte keinen klareren Aufruf geben: «Liebe Kolleginnen», so hob Waser an, «der Bundesrat will das Frauenrentenalter anheben. Am 7. März 2015 müssen wir alle und noch viel mehr auf dem Bundesplatz in Bern sein, nicht nur um Nein zu dieser Erhöhung zu sagen, sondern auch um effektive Kontrollen der Lohngleichheit zu fordern und Sanktionen gegen jene, die immer noch gegen das Gesetz verstossen. Lohngleichheit bedeutet auch mehr Mittel für die Sozialver-sicherungen.» Andrea-Ursula Leuzinger doppelte nach: «Am 7. März gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist man in Bern oder am Arbeiten.»

An SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger war es, Grüsse der Gewerkschaftsführung zu überbringen und auf die politische und gewerkschaftliche Dimension des Tages hinzuweisen: «Wir sind froh, dass es einmal jährlich diese Tagung gibt, und damit Gelegenheit, auf einen Schlag derart viele Frauen zu treffen. Normalerweise wende ich mich nur an Männer, und auch ihr seid in einem männlich geprägten Umfeld tätig. Ich sehe es immer noch täglich, es gibt Frauen, die ihre Rechte nur wenig kennen. Diese Informationslücken können sich im Extremfall zu handfesten Problemen entwickeln, vorab dort, wo der Arbeitgeber seinerseits diese Rechte auch nicht kennt und entsprechend nicht gewährt. Deshalb haben gewerkschaftsintern die Frauen einen grossen Stellenwert, um Frauenrechte durchzusetzen und bekannt zu machen. Das Gleiche gilt für die Altersvorsorge. Nur wenn wir gut informiert sind, können wir unsere Rechte wahrnehmen. Andere werden es nicht für uns tun.»

Der Weg ist noch lang

Auf diesen eindringlichen Appell reagierten die SEV-Frauen mit einem langen Applaus. Gelächter gab es, als Spalinger daran erinnerte, dass ein Mann erster Frauenbeauftragter des SEV war. Lucie Waser ist die fünfte Gewerkschaftssekretärin, die sich mit dem Dossier Chancengleichheit befasst. Noch ist ein langer Weg auf dem Pfad der Geschlechtergleichheit zurückzulegen – gegen die sich noch zu viele wehren. Dies zeigte sich in Bern an der Art, wie die Plakate der Kampagne gegen Gewalt verunziert wurden: das italienische «Basta» («Genug») wurde zum «Bastard» ergänzt und aus dem deutschen «öffentlicher Verkehr» wurde «Geschlechtsverkehr» gemacht. Auch dies ist ein Übergriff, wie Lucie Waser zu Recht ausführte, der einen wütend zurücklässt und nachdenklich macht.

Mit Christine Goll ging es dann mitten ins Tagungsthema, beginnend mit einem «Dorn»: der Anhebung des Frauenrentenalters (von 64 auf 65 Jahre), wie sie die Reform von Alain Berset vorsieht. Die Antwort erfolgte im Chor: solange die Frauen die Lohngleichheit nicht erreicht haben (das entsprechende Gesetz datiert von 1996) bleibt das Rentenalter, wo es ist.

Dieses Prinzip wurde auch von SEV-Präsident Giorgio Tuti unterstrichen, der sich besorgt zeigte über die fehlende Solidarität mit den Frauen, die auf dem Arbeitsmarkt und im täglichen Leben viel mehr diskriminiert werden als die Männer. Es ist eine Tatsache, dass der «Zeitgeist» in der Politik und im Sozialbereich vom Konservatismus geprägt ist. Nicht zufällig erfolgte deshalb der Appell von Christine Goll: «Im Herbst nächsten Jahres finden eidgenössische Wahlen statt. Das neue Parlament wird wichtige Entscheide fällen, auch was die Zukunft der AHV betrifft. Erinnert euch, wenn ihr wählen geht, an die Kräfte, die immer den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Frauenrechte, die Rechte aller Arbeitenden unterstützt haben.»

Françoise Gehring / pan.

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