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Branchentagung VPT Bus in Olten

Belastbarkeit ja, Resignation nein!

Um mit beruflichen Belastungen fertig zu werden, sind spezielle Techniken nötig – das ist das Feld der «Resilienz», wie die Psychologen dieses Gebiet nennen. Wenn eine ganze Gruppe mit einem Problem kämpft, sind aber gewerkschaftliche Aktionen gefragt.

Ernst Rufener, Buschauffeur bei STI (Mitte), war es, der Patrizia Rizzo zur VPT-Bus-Tagung eingeladen hat. Christian Fankhauser (rechts) präsentierte die Ergebnisse zur Umfrage über die Gesundheit und Arbeit der Chauffeure.

Als Patrizia Rizzo die rund 40 Delegierten, die an der Branchentagung VPT Bus vom 23. Februar teilgenommen haben, fragte: «Was macht Ihre Arbeit schwierig?», erwartete sie nicht eine derartige Lawine an Klagen. Das kommt auf Buschauffeure zu, wenn sie sich hinters Steuer setzen: Beschimpfungen, Verkehrsdichte, Schwierigkeiten, den Fahrplan einzuhalten, Tage mit 13- bis 14-Stunden-Schichten in gewissen Unternehmen. «All dies in der Schweiz!», rief Patrizia Rizzo erschrocken aus. Die Doktorin der Philosophie ist Coach und Mitarbeiterberaterin.

Umfrage über Gesundheit und Arbeit

Christian Fankhauser stellte erste Ergebnisse der Umfrage der Branche VPT Bus vor, die mehr über die beruflichen Belastungen der Chauffeure in Erfahrung bringen wollte. Auf den rund 800 ausgefüllten Fragebogen beklagten über 80 % der Chauffeure Arbeitstage mit zu langen Dienstschichten. «Eine Kampagne des SEV gegen diese exzessive Festlegung der Arbeitszeit wäre sehr angebracht », stellte der Gewerkschaftssekretär fest. Wenn man weiss, dass die Arbeitgeber das Arbeitszeitgesetz lockern wollen, wird das Begehren schwierig durchzubringen sein. Nein zur Resignation!

Stresstoleranz erhöhen

Mehrere Delegierte wiesen darauf hin, dass ihnen die Arbeit trotz allem auch viel Befriedigung bringt: Anerkennung der Kunden, Unabhängigkeit, Freude an der Arbeit im Service public. Patrizia Rizzo wies darauf hin, dass es wichtig ist, genau zu unterscheiden zwischen dem, was geht, und dem, was nicht geht. Man muss sich abgrenzen können, seine Stresstoleranz erhöhen. Ein ausgeglichenes Leben und etwas Sport können helfen, die «Resilienz» zu erhöhen, jene Fähigkeit, etwas abprallen zu lassen, wenn man sich von einem Problem aufgefressen fühlt.

Kongressantrag

Die Kollegen der Busbranche haben nicht die ganze Tagung damit verbracht, in sich hineinzuschauen – die gewerkschaftliche Arbeit ging nicht vergessen. Nachdem SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger den Stand der Dinge bei der Revision des Arbeitszeitgesetzes dargelegt hatte, kündigte Johan Pain an, dass die Sektion VPG TL dem Kongress einen Antrag vorlegen werde, der fordere, in die Arbeitszeitverordnung das Recht auf eine Pause an der Busendhaltestelle aufzunehmen. Diese müsste einem Zehntel der Dauer der Linienfahrzeit entsprechen (1 Stunde Fahren = 6 Minuten Pause). Die Resilienz ist gut, um an sich selber zu arbeiten, die gewerkschaftliche Arbeit zielt darauf ab, dass alle profitieren können. Die Branchentagung VPT Bus zeigt den Weg.

AC / pan.

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