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SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger zur Branchenstruktur des VPT

«Die Rückmeldungen sind sehr positiv»

Für die Konzessionierten Transportunternehmungen (KTU), deren Personal im Unterverband VPT organisiert ist, liegt im SEV die Verantwortung bei Vizepräsidentin Barbara Spalinger. Wie beurteilt sie die neue VPT-Struktur?

kontakt.sev: Warum soll die Branchenstruktur besser sein als die bisherige VPT-Struktur?

Barbara Spalinger, SEV-Vizepräsidentin
Barbara Spalinger: Besser ist daran, dass wir nun definierte Gruppen haben, mit denen wir gezielt über akute Probleme sprechen können. Zum Beispiel ging an der diesjährigen Branchentagung Bus ein Verkehrsrechtler auf die Führerscheinentzüge bei Verkehrsunfällen ein. Das ist für das Schiffs- und Bahnpersonal kein Thema! Mit der Branchenstruktur können wir also die Bedürfnisse der Mitglieder besser bedienen und Allgemeinprobleme von Branchen besser ansprechen. Aber auch Detailfragen können an Branchentagungen ausdiskutiert werden, ohne dass sich die Mehrheit langweilt. Und die Kolleg/innen verschiedener Unternehmen gleicher Branchen lernen einander besser kennen. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden der Branchentagungen 2010 sind mehrheitlich sehr positiv, die Akzeptanz ist gross.

Weitere Vorteile der neuen Struktur?

Die Busbranche, die bisher vor allem in der Westschweiz in der Gatu gelebt hat, ist nun gesamtschweizerisch organisiert. Das wäre in der alten VPT-Struktur kaum möglich gewesen.

Gut ist auch, dass man das Gewerkschaftliche und das Statutarische – also das Leben des VPT als Unterverband – trennt, denn das sind tatsächlich verschiedene Dinge. Letzteres betrifft alle, während das Gewerkschaftliche branchen- und unternehmensbezogen anzugehen ist, da die Ausgangslagen unterschiedlich sind. Zum Beispiel bei der Arbeitszeit sind die Probleme bei der Dienstplanung, dem Antrittsort oder den Pausen nicht die Gleichen, ob man Lokführer, Chauffeur oder Schiffsführer ist. Diese Probleme muss man aber auch wieder zusammenführen. Dafür gibt es bei der Arbeitszeit seit letztem Jahr die SEV-interne AZG-Kommission, wo die Branchen und SBB-Unterverbände vertreten sind.

Besteht die Gefahr, dass jede Branche zu sehr auf ihre Probleme schaut, während allgemeingewerkschaftliche Fragen zu kurz kommen?

Theoretisch schon, doch gibt es dafür ja weiterhin den Zentralvorstand und die Delegiertenversammlung. Zudem sprechen wir an den Branchenversammlungen immer auch allgemeingewerkschaftliche, verkehrs- oder sozialpolitische Themen an.

Haben die Pensionierten des VPT wirklich das Bedürfnis nach speziellen Tagungen?

Dessen waren wir uns zuerst nicht sicher, denn die VPT-Pensionierten haben ja zumeist noch eine starke Bindung zum Unternehmen, wo sie gearbeitet haben, und sind ins Sektionsleben integriert. Wir fragten uns, welche Themen sie besonders interessieren könnten, und behandelten an der ersten Tagung für sie im letzten Oktober die Altersarmut und die Sozialversicherungen. Die grosse Teilnehmerzahl zeigte, dass tatsächlich ein Bedürfnis nach solchen Tagungen besteht, weshalb wir weitere organisieren.

Die VPT-Sektionen sind aber nach wie vor sehr wichtig?

Selbstverständlich. Damit die Gewerkschaftsarbeit in den einzelnen Unternehmen funktioniert, ist es matchentscheidend, dass die Sektionen funktionieren, denn alles Unternehmensspezifische und Vertragspolitische läuft im KTU-Bereich über sie. Der VPT und neu nun eben auch die Branchen sind für sie die Klammer.

Wegen der Vielfalt an Verkehrsunternehmen, die der VPT abdeckt, wird er gelegentlich «kleiner SEV» genannt. Wäre seine Branchenstruktur auf den SEV übertragbar?

Grundsätzlich kommt die Struktur nach Branchen den Mitgliederinteressen gut entgegen und hat auch eine vertragspolitische Logik. Die Umsetzung einer Branchenstruktur für den ganzen SEV ist aber im Moment kein Thema, da der Organisationsaufwand beträchtlich wäre und die übergeordnete vertragspolitische Sicht für das einzelne Mitglied keine grosse Rolle spielt. Mittelfristig ist es aber sicher eine Schiene, die wir anzudenken haben.

Interview: Markus Fischer

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